Am Salbungssteine:
O Du erhabene Huld, o Jesu, Du brennendeLiebe, der Du den Tod durch den Tvd vernich-test und Leben giebst den Todten!
Am Grabe wird ein langer Gesang gehalten,worin die Erzählung der Auferstehung nach Joh.20 eingeflochten ist, und wo auf seltsame Weiseder Umstand, daß Johannes nicht das leere Grabbetrat, der nachfolgende Petrus aber hineinging,also erklart wird, daß Johannes dem Petrus, alsdem Oberhaupt der Kirche, aus Ehrfurcht den Vor-tritt in's Grab gestattet habe.
Wenn nun auch im Ganzen diese hier mitge-theilten Gebete meist evangelischen Inhaltes sind, soversteht doch das Volk, da sie in lateinischer Sprachegehalten werden, nichts davon und der Evange-lische kann bei dem Allen hier in Jerusalem nurvon tiefer Wehmuth erfüllt werden, wenn er dieEntweihung sieht, der noch immer so die h. Stadtauch durch die sogenannten Christen hingegeben ist.„Wo das Blut der Versöhnung geflossen, da ist lei-der das Wort von der Versöhnung verhallt." Wasan diesem h. Orte ein evangelisches Herz fühlt, dasdrücken am besten folgende Worte aus einem Briefedes Missionar Fisk aus, der von der amerikani-schen Missionsgesellschaft dorthin gesandt, in denJahren 1823 — 182S treu bis zu seinem Tode inseinem Berufe daselbst wirksam war. Er schreibtden 28. April 1823 an seine Lehrer und an die Zög-linge des theologischen Seminar's zu Andovcr inNordamerika Folgendes"'): „Ich bin jetzt 4 Tagein der Stadt gewesen, wo David lebte und herrschte,und wo Davids Herr und König die Welt erlöste.
*) Siehe Plinius Fisk Leben, aus dem Englischen über-setzt von G. P. Heller. Erlangen 1835. S. 295.