— 258 —
Einschränkung bekennen, und keine Autorität darf ihm stark genug sein,ihn ans halbem Wege festzuhalten. Das hat die Kirche bei Janssengethan, und so ist seine Aufrichtigkeit ihm unbewußt zur Ilnanfrichtig-keit geworden.
In der Volkserziehnng jenes Mittel zu gewinnen, welches fähigist, die geistige Fortentwieklnng Deutschlands für die Zukunft sicher zustellen und zu verallgemeinern, den Weg zur Volksgcsnndheit offenzu halten und die Hemmnisse zu beseitigen, welche sich uns ans diesemWege entgegenstellen, muß Ziel unsrcs Strebens bleiben. Das ersteund furchtbarste Hemmnis aber ist eine .Kirche, die zur Aufnahmejungen Lebens unfähig geworden, die mit ihren festgefrvrencn Glanbens-säpen einer frischen nnd gesunden Fortentwicklung die Bahn versperrt,die mit ihrem erkältenden Schatten das ganze Leben der in ihremBannkreise stehenden Bolksteile niederhält nnd mit diesem hemmendenSchwergelvicht ans die ganze Entwicklung unseres Volkes zurückwirkt,lind in diesem Streben hoffen wir alle Geisteskräfte, die es mit derEntwicklung der Völker nnd der Menschheit ehrlich meine», ohne Aus-nahme ans unserer Seite zu haben.
Werft den Glanben in die Kluft, welche den denkenden Thcilunseres Volkes von dem nicht denkenden trennt, und nehmt das Bil-dungsbedürfnis der Menge zur Unterlage, ans welche ihr das Wissenpflanzt! Die Kenntnis der phhsischen nnd geistigen Gesetze wird alleinvermögen, dem Worte Religion einen Inhalt zu geben, einen neuenInhalt, der ihrem alten Begriffe entspricht „einer rücksichtlichen Be-achtung nnd Sammlung der menschlichen Erkenntnisse". Nur so ver-mag die geistige Fortentwicklung des Volkes, weil ans natürliche Basiszurückgestellt, zu höchster Entfaltung zu gelangen. Wer die Zeichender Zeit beachtet, wird erkennen, daß das Volk im Großen, „nndselbst manche von denen, die man gewöhnlich Gebildete nennt", sicherst in neuester Zeit langsam ans jener Sphäre, in welcher das Dogmageherrscht, in die des Skeptizismus hinüberdrängen. lind dieserWandel muß sich vollziehen, bevor wir zu einem positiven Neubauden Raum nnd die Kräfte gewinnen. Erst muß im Volksgeiste durchHinwegränmnng des Alten Platz für ein Neues werden. lind weilwir diesen Wandel für einen absolut natürlichen erkennen, weil er unsandrerseits ein Beweis dafür ist, daß das geistige Leben unseresVoltes noch nicht zum Stillstand gelangte, so brauchen wir diesen