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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
236
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Wir kenne» de» Inhalt der ensanischen Ncformvorschläge: „dasrömische Kaisertum deutscher Nation, Wiederanfrichtnng »»d Kräftig-»»» der ehemaligen Einigkeit des Reiches, seines innere» Friedensseines christlich-germanischen Rechtes, seiner Machtstellung nach außen".(S. 587.) Das alles war alter Inhalt. Aber es war der realenLebensgestaltnng des deutschen Volkes gegenüber reine Theorie. Daslies; sich nicht »lachen. Dazu hätte es eines natürlichen Rodens be-durft, der solches Wachstum emporzntreiben vermochte, lind diesenBoden zu bereiten, ihn zu erhalten, hatten Kaiser und Papst in ihrergegenseitigen Verniehtnngsarbeit vergessen. Einst trieb die deutscheHegemonie ans dem Leben und der Kraft des Volkes naturgemäß empor.Jetzt hätte man dieses Leben erst wieder schaffen, die zerstreuten Kräftesammeln müssen, und da kommt uns Janssen-Eues mit dem naivenVorschlag: schafft das Kaisertum wieder, stellt die alte Reichseinheitwieder her! Wer dreht sich da so schön im Kreisel Janssen ver-wirft ein Mal das Tanzen der (Geistlichen als etwas Ungehöriges.Er hätte seine Lehre besser beherzigen sollen. Oder ist eS kein Tanzen,kein „Sich-im-Kreise-Drehen", ist es nicht die Schlange, welche sichin den Schwanz beißt, wenn man sagt: das deutsche Leben ist un-möglich gesund zu erhalten ohne Wiederherstellung des Kaisertums,und wenn man andrerseits zugestehen muß, daß das Kaisertum un-möglich ist ohne die Gesundheit des deutschen Lebens? Wo soll mannun anfangen? ^ Unten, nicht oben! Pflanzt den Baum erst, bevorihr Früchte verlangt! Wir sagen: schafft ein deutsches Leben, aberhindert eure Schöpfung nicht, schneidet ihr nicht den Lebensfaden ab,indem ihr demselben eine künstliche und fremd gewordene Theorie alsZiel ihrer Entwicklung vorsteckt! Sorgt für freie Bahn des Wachs-tums und wartet ab, ob als Frucht dieses Wachstums sich ein deut-sches Kaisertum ergeben wird! Und ergibt es sich nicht „in der altenBedeutung des Wortes", dann vielleicht in einer neuen, jedenfalls abermuß sich ans dem gesunden Wachstum irgend ein Gesundes ergebe»,»nd damit können wir denn auch zufrieden sein. — Zufrieden? DerTheologe zufrieden ohne Kaisertum, ohne Wiederherstellung seinesmittelalterlichen Hierarchieideals? Das ist eine nnmögliche Forderung.Aber wir wissen nun auch, an welcher theoretisch-theologischen Ein-seitigkeit das ganze deutsche Leben zu Grunde ging, wo das wirkliche