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Wir fragen nun, was Janssen gegen die Wahl Franz' I, ein-znwenden hat, wenn es ihm nur nni die Demütigung des deutschenFürstentums geht, wenn er in ihr das Heil erblickt? Franz I. hattedie Macht dazu. Er hätte es gekonnt, und kein andrer als er. AlsoJanssen hätte sich eigentlich für sein Kaisertum begeistern müssen.Statt dessen begeistert er sich für den Spanier Karl, der die Deutschengewinncn wollte, um seine Stellung in Spanien, in der Welt, zubefestigen, der aber dein deutschen Leben, den deutschen Verhältnissen»och fremder gegenüberstand, als der Franzose. Oder wollte Karlvielleicht Deutschland helfen? Dachte er an Deutschland oder an sichselbst? Die Antwort wird wohl nicht zweifelhaft sein.
Ans Seite 579 zieht Janssen das Beispiel Karls von Bonrbonan, dessen Abfall einstimmig verurteilt wird, „während man das Ge-bühren deutscher hochgeborener Reislänfer, ja die Käuflichkeit derWahlfürsten, gewissermaßen mit Achselzucken als etwas Selbstverständ-liches betrachtet." Wir müssen leider gestehen, daß auch wir dasletztere als etwas Selbstverständliches betrachten. Wenn ein Baummorsch geworden, brechen seine Äste von selbst ab, keiner sieht darinetwas Widernatürliches. Aber wenn ein Baum in voller Triebkraftsteht und ein Ast reißt ab, so muß es einen Sturm, ein Gewitter,eine Gewaltthat gegeben haben, und darum bedauert man die Ent-stellung des Baumes. Es ist der Entwieklnngsboden beider Völker,des deutschen und französischen, in Betracht zn ziehen, es ist zu fragen,ob ein Volksleben sich in ans- oder absteigender Linie bewegt, derEntwicklungsgrad ist das Ausschlaggebende, und darum verurteilt maneinstimmig den Abfall Karls von Bonrbon, während man den sitt-lichen Verfall der deutschen Fürsten, den vaterlandslosen Egoismusals etwas Selbstverständliches, als etwas mit dem Verfall des ganzenVolkslebens eng Verbundenes hinnimmt. Janssens Vergleich paßtalso nicht so ganz.
Nur einer war fest: Kurfürst Friedrich von Sachsen und werdie Entwicklung Sachsens sich vergegenwärtigt, wird diese Erscheinungnatürlich finden. Gegen den Verfall der westdeutschen Kultur unddie rückständige Nohheit in den östlichen Fürstentümern konnte nurvon Sachsen ein reinigender Strom ausgehen. Dabei aber war dieFrage, ob dieser letzte Einsalz sächsisch-deutscher Volkskraft aus demregenerierten allgemeinen deutschen Leben eine Krafternenernng auch