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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
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begriffen sieht, während die Städte „ihr Streben und Trachten injetziger Zeit diel wehr ans Kandel, Reichtum nnd Gelderwerb gerichtetzu haben scheinen, als ans eine stvlze Behauptung ihrer Stellung imReich". Wv aber das politische Leben erlischt, ist das selbständigeNechtslcben bereits erloschen, nnd die gesteigerte Not kann nur mehrden Pollen Zusammenbruch oder aber eine Nenbelcbnng bringen.

Sehen wir aber einmal von der Ncchtsentwicklnng hinweg nndsetzen an ihre Stelle die ganze Entwicklung der geistigen Kultur jenerZeit, so Passen die Ausführungen Janssens ans Seite 474 ff. voll-kommen auch auf den Stand andrer geistiger Bethätignng. „ToteGelehrsamkeit nnd eine dem Leben entfremdete Theorie" — damit istdie Charakteristik der damaligen Geistesarbeit klar nnd scharf wieder-gegeben, nnd das trifft nicht nur auf dem Nechtsgebiete, sondern mitderselben Genauigkeit auf dem theologischen Gebiete zu. lind wie dasVolk „Ursache bekam, den Glaube» au die Heiligkeit nnd Unparteilich-keit des Rechts zu verlieren", so ging ihm der Glaube an die Heilig-keit der kirchlichen Lehre nnd Praxis verloren. Das alles ist sountrennbar voneinander, daß uns die Naivetät Janssens immer vonneuem Bewnuderung einflößt, der alle diese Dinge so fein säuberlichzu trennen versteht und dann auf den verschiedenen Gebieten zu soganz verschiedenen Urteilen gelangt, wie bei Zasins nnd Luther.

Im folgenden schildert Janssen den Widerstand der einzelnenStände gegen das fremde Recht, aber im egoistischen Standesinteressewar das Leben der Nation erloschen. Das deutsche Volk war ans-einandergcrissen worden, es bildete kein Ganzes mehr, seine einzelnenTeile wurden nicht mehr von einem einheitlichen Blntstrom durchflutet,nnd wenn wir noch in der Zeit des schmalkaldischen Krieges den Papstsagen hören, er sei nicht der Meinung gewesen, dem Kaiser zum Siegeüber seine Gegner zu verhelfen, wenn wir zurückblicken ans die Politikder Kurie bis zu den Tagen eines Gregors VIl., wo das Papsttumsich mit dem romanischen Volkstum vermählte, wir werden diesenSpruch immer wieder hören. Das Papsttum steht im Bunde mit denFürsten, so oft das Königtum seine Macht zur Einigung des nationalenLebens einsetzt, so unter Heinrich IV., unter Friedrich I., Philipp vonSchwaben, Friedrich ll., Albrecht I., Ludwig dem Bayer nnd so fort,bis die letzte Macht zerstört war, ans welche ein deutsches Königtumsich zu stützen vermochte. Zerrissen und gespalten war die Nation