einer slavisehcn Mutter geboren, seiner Erziehung nach ein Franzoseund Romane, ein Fremdling germanischer Denkart, war doch schonvon der Natur dazu berufen, allem eigentlich Deutschen ein Feind zusein. Die deutsche Entwicklung der Mark Brandenburg, diejenige derHansa, diejenige der siidostdentscheil Fiirstentiimcr, Österreich und Bayern,diejenige der Städte Schwabens und Frankens — alles das standdiesem Manne im Wege, und seiner Politik haben wir denn auch deneinsetzenden tiefen Verfall der norddeutschen Kolonisationsgebiete, dieHemmung der hansische» Machtstellung, das Ausscheiden Österreichsund Bayerns ans dem obersten Rate der Nation, ans dem Kurfiirsten-kolleginm und die daraus gefolgten furchtbaren Kämpfe und Zwistig-keiten, dann zuletzt den ersten großen Städtekrieg zu verdanken. Dasbrachte uns der Mann, der mit dem französischen Papst ein Herz undeine Seele war. Wundern wir uns, daß er die römischen Juristenzu Hülfe nahm, um damit dem autonomen Rechte der deutschen Ständeden Prozeß zu machen? Von alledem sagt uns Janssen nichts; ersagt uns auch nichts davon, daß dieser Mann Kaiser wurde lediglichdurch die Hülfe Frankreichs und des Papsttums, daß er es wurdeim Gegensatz zu Ludwig dem Bayer, der im deutschen Volke populärgeworden war, wie lange kein Kaiser mehr, der die deutschen Fürstennoch einmal zu einer nationalen That (Protest der Bischöfe zu Speyer,Erklärung der Kurfürsten zu Reuse) fortgetricben, der im Kampfe mitdem Papsttum das furchtbarste Hemmiiiß fand, seiner Politik einesichere nationale Grundlage z» verschaffen. Die goldene Bulle Karls I V.brachte, wie Janssen dies früher bemerkt (S. 428), dem ans derNeichseinheit hervorgegangenen „Bundesstaat die rechtliche Anerkenn-ung". Sie wurde „Neichsgrnndgesctz". Und Janssen hätte sich alsHistoriker mit dieser geschaffenen Thatsache abfinden müssen. -Weiter!
„Eine starke Schntzwehr gegen das eindringende fremde Rechtund dessen knechtische Lehrsätze bildete das kanonische Recht, welchesallerdings seine Methode von dein römischen Rechte hernahm, dieMaterie aber, das heißt den Stoff seiner Entscheidungen, zumgrößten Teil ans dem germanischen Rechte schöpfte." Hier sagt esalso Janssen selbst, daß das Gute, der lebendig fließende Inhalt derKirche dem deutschen Leben entstammte, daß hier die Verkörperungdessen lag, was man Christentum nannte. Dann aber hätte die Kircheauch mehr Rücksicht ans das germanische Geistesleben nehmen sollen,