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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
Seite
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Was ferner die Anschauung der Romantiker betrifft bom „Ver-fall des Reiches durch die Habgier und Soudersncht der Fürsten", sowerden wir später darüber zu reden haben. Eines aber möchten wirhier schon betonen: auch Maximilian war Romantiker, Romantikerinsofern, als er wie jene Geschichtsschreiber bon der „Wiederherstellungder Weltherrschaft des Ehristcntnms" träumte. Aber Maximilian warzugleich doch durch sein Amt als Kaiser praktischer Politiker. Ermußte mit den gegebenen Thatsachen doch immerhin so gut er konnterechnen, lind da begegnen wir bei ihm dem „abenteuerlichen Plan",selbst Papst werden zu »vollen. Wie kam das wohl? Sollte ihnwohl die reale Einsicht, daß ein Kampf „für die Einheit und Reinheitdes Glanbens und ein Kampf für die Ehre lind Unversehrtheit desReiches" so lange aussichtslos bleiben müsse, als man mit Päpstenbon so eigenartigen Anschauungen und Talenten zu rechnen hatte,wie es die damaligen waren, ans diesen abenteuerlichen Plan gebrachthaben?

Diese Idee war nicht neu. Aber merkwürdig ist es vielleicht,daß mir in den Zeiten von einer wirklichen Einheit der Christenheitgeredet werden kann, in denen das deutsche Kaisertum dem Papsttumunbedingt überlegen war, in denen es dann auch meist zu deutschenPäpsten kam. Wir finde» einen Ansatz zu einer solchen Einigung nurnoch einmal, in der Zeit Hadrians ^1. Sollte diese stets wieder-kehrende gleichmäßige Wellenbewegung bis zu ihrem letzten schwachenAnschlage nicht auch etwas ans sich haben? Natürlich, ein Nomantikerglaubt mit seinem eigenen Winde die Wellen beliebig wieder erzengenzu können und ans fremde Winde nicht warten zu müssen.

Wenn Janssen nicht blos ans die romantische Idee, sondernetwas mehr ans das natürliche Werden der deutschen Entwicklunggesehen hätte, würde ihm klar geworden sein, daß es sich für Deutsch-land bei jeder neu ansetzenden, fortschreitenden Entwicklung von jeherdarum gehandelt hat, Einfluß ans das Papsttum zu gewinnen, jageradezu den päpstlichen Stuhl für die Deutschen zu erobern.' InKaiser Heinrich lll. erreichte diese Bewegung den Höhepunkt. Unterseinem Sohne eroberten die Romanen unter der Führung Clnnh'sden päpstlichen Stuhl zurück. Dieser Gegensatz der Nationalitätenblieb bestehen bis zur Reformation, bis zu dein Augenblick, wo sichder letzte Versuch Deutschlands, den päpstlichen Stuhl wiederzugewinnen