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Johannes Janssen und die Geschichte der deutschen Reformation : eine kritische Studie
Entstehung
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wahren sollten", nnd das geschah nicht nur in großen Städte», sonder»auch an kleineren Orten. Daß es wirtlich das Verlangen war, gutePredigten zn hören, welches diesen Stiftungen in erster Linie znGrunde lag, geht ans Janssens weiteren Anführungen hervor, wo erberichtet, wie zahlreich die Saninilnngen berühmter Prediger gedrucktnnd verbreitet, wie den Predigern andrerseits mit guten Hülfsmitteln,Predigtentwiirfen, Vokabularien, Exempelbüchern n. s. w. vorgearbeitetwurde, mehr aber noch, wie Janssen darthut, ans dem Inhalt derPredigten selbst. Er erstaunt darüber, „welch' ein umfassendes Ver-ständnis die Prediger oft bei ihren Zuhörern voraussetzen durften".Wir erkennen aus diesen Angaben, daß der Klerus in den Städte»genötigt war, Schritt mit der geistigen Entwicklung der Bevölkerungzn halten, während sich ans dem Lande die Predigt auch in ihreralten Einförmigkeit erhielt. Auf einen Punkt machen wir hier nochaufmerksam: Janssens Beispiele für die Aufnahme der Predigt beziehensich alle auf Süddcutschland und mit Ausnahme Nürnbergs, auf dasLand, welches dem Stamme der Schwaben Heimat war, währenddie strengen Maßregeln, zu welchen man gegen Predigtversänmnisgriff, Norddcutschland (Lübeck nnd Rostock) zum Ursprung hatten.Janssen nimmt also seine Belege überall her, aber wir glauben nicht,daß diese Scheidung auf Zufall beruht, wen» auch dem „Historiker"Janssen bei ihr nichts auffällt.

Ans den katechetischen Schriften damaliger Zeit entwickelt Janssennun die Lehre der Kirche von der Gnade, der Heiligcnverehrnng, demAblaß. Namentlich diese letztere beschäftigte damals die Geister sehrlebhaft, nnd hätte Janssen allein schon aus dem Umstand, daß „inkeiner Zeit soviel über den Ablaß geschrieben ivnrde, als im fünf-zehnten Jahrhundert", erkennen können, wie in dieser Lehre oder ihrerpraktischen Handhabung ein Hacken war. Auch über die Lehre Ponder Bilderverehrnng weiß Janssen nur Schönes zn berichten; er kommtzn dem Schlüsse, „daß für die religiöse Volksbildung damals besserals zn irgend einer früheren oder späteren Zeit gesorgt ivnrde". Eshandelt sich aber nicht bloß um die religiöse, sondern um die ganzegeistige Volksbildung, nnd daß diese „mit dem Pielgestaltigen Wunder-glauben in den Unterrichts- nnd Erbannngsbüchern, der sich manchmalans kindische nnd ungereimte Dinge bezieht", nicht gefördert ivnrde,ist wohl klär. Aber die Bibel war in den Händen der Laien. Die-