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Goethes Stammbäume
Entstehung
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154
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154 II, Das Geschlecht des Dichters Goethe,

wein statt des feurigen Rheinweins trinken sah, so mögendabei Gesundheitsrücksichten, nicht Kargheit zugrunde gelegenHabenz auch sein Sohn mußte sich im höhern Alter oft diesesüberstarken Weines enthalten. War er damals wirklich geld-karg und freute sich, daß er nicht, wie der Herzog, viel Geldfür Gemälde zahlen müsse, so begleitet der Geiz oft dieSchwäche des Alters, Als die Herzogin-Mutter im Herbstwieder zwölf Tage sich in Frankfurt aufhielt, war der Vaterwirklich krank, doch befand er sich darauf bei der Durchreisedes ihm bekannten Weimarischen Kammermusikers Kranz wie-der so wohl, daß er am frohen Mahle teilnehmen konnte; erdrückte diesem mehrfach die Hände und nahm von ihm dengerührtesten Abschied, Im nächsten Jahre erlitt er einen Schlag-anfall, von dem er körperlich sich notdürftig wiederherstellte,aber er blieb geistesschwach. Jetzt überließ er der Gattin dieganze Verwaltung des Hauses und Vermögens; er war meistruhig, nur die Langeweile machte den an stetige Thätigkeit ge-wöhnten Mann unzufrieden, ja unleidlich, so daß seine Gattinmanches zu seiner Unterhaltung anstellte: so ließ sie die Zimmererneuern, worüber er kindische, recht dankbare Freude empfand,was einem Geizhalse unmöglich gewesen wäre. Ein zweiterSchlag beraubte ihn aller Bewegung; jetzt war er auch geistes-abwesend, bedurfte beständiger Aufsicht, war sich uud andernzur Last, Nach längerem Leiden starb er am 25. Mai 1782ganz unerwartet im zweiundsiebzigsten Jahre. Bestattet wurdeer in der Nähe seines Schwiegervaters; die Gattin sollte einstneben ihm ruhen. Der treu und redlich für das Wohl derSeinen besorgte, unablässig thätige, verständige, etwas förm-liche und starre, aber ernstwürdige und doch innerlich zarte,dabei freisinnige und echt deutsch gesinnte Mann war durchden Dichterruhm seines reichbegabten Sohnes, der ihm so vieleNot gemacht, unglücklich geworden, da dieser Wolfgang Frank-