II.
Das Geschlecht des Dichters Goethe.
Ein eitles Unternehmen ist es, die Geschichte eines Ge-schlechts noch über die Zeit hinaus zu verfolgen, wovon sichereSpuren sich finden. Wenn selbst der gleiche Name nicht ohneweiteres den Beweis desselben Geschlechts liefert, so ist es nochviel gewagter, ähnliche Namen in solcher Weise zu verwenden.Jnbezug auf das Geschlecht des großen Frankfurter Dichtersist dies von Dr. G. H. O. Volger genannt Senckenberg ge-schehen, der sich unvergängliche Verdienste um das Goethehausund das in ihr seßhafte „Freie Deutsche Hochstift" erworbenhat, dessen umsichtiger, gewissenhafter und rastlos thätiger Ob-mann er viele Jahre gewesen. Schon im Januar 1874 spracher sich darüber in der Jahresversammlung des „Vereins fürGeschichte und Altertumskunde in Frankfurt am Main" aus;nach dem dort gehaltenen Vortrag erfolgte gleich darauf am24. sein Rundschreiben: „Die Genealogie als Naturwissenschaft."Er ging hier von dem Grundsatze aus, daß „die Abkömmlingeeines Stammbaums losgetrennte Sprossen eines leiblichenWesens sind, welches von Abstammungsfolge zu Abstammungs-folge durch alle Jahrhunderte fortwächst", wobei aber „dieväterliche Abstammung durchaus die maßgebende ist, der mütter-liche Teil sich gleich wie der Boden verhält, dessen Gunst oderUngunst aus die Entwicklungsart des väterlichen Keims we-