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Goethes Stammbäume
Entstehung
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II. Das Geschlecht des Dichters Goethe.

jetzt beseelte, konnte dem Vater, der eher eine Beruhigungdurch Lavaters zartes Wesen erwartet hatte, nur unbehaglichsein; der Dichter des „Ewigen Juden" und des „Faust" paßtesehr schlecht zu der juristischen Kanzlei, in welcher der kaiser-liche Rat und ein gewandter Advokatenschreiber die Hauptsacheleisten mußten. Auch daß nun das bürgerliche Trauerspiel„Clavigo" erschienen war, und zwar unter dem Namen desDichters, den alle bisher gedruckten Geisteswerke Wolfgangsverschwiegen, gereichte dem Vater nicht zur Freude, wenn esihm auch lieb sein mochte, daß dieser jetzt einen bezahlendenVerleger gefunden. Glücklicherweise ahnte er nicht, daß seinSohn einen noch in Spanien lebenden bedeutenden Schriftstellersich selbst hatte töten lassen; wenig hätte es ihn gekümmert,wenn er erfahren, daß der Neid im „Clavigo" schon einenNachlaß von Wolfgangs Dichterkraft witterte. Mit bangerErwartung sah der Dichter dem zur Leipziger Herbstmesse er-warteten Erscheinen „Werthers" entgegen, da er fürchten mußte,Kestner und Lotte würden, da sie im ersten Buche des Ro-mans vorschwebten, sich verletzt finden. Wie schmerzlich bewegt,wahrhaft unglücklich fühlte er sich, als das mit unsäglichemBeifall aufgenommene Büchlein ihnen ein Stein des Anstoßeswurde! Die Unruhe, in die er darüber geriet, machte ihn zueinem schlechten Tischgenossen des Vaters, dem dazu die Schön-geisterei je länger, je weniger gefiel, auch die im „Werther"herrschende Gefühlsschwärmerei zum Ekel war. Dagegen schmei-chelte es ihm, daß Klopstock, der als großer Dichter allgemeinbewundert war, wie wenig er selbst auch dessen reimlose unddeshalb ungereimte Gedichte lesen konnte, die in seinem Na-men gemachte Einladung in sein Haus annahm. Er freutesich, in ihm einen feinen, wundervoll schön und gewählt sprechen-den, Achtung gebietenden Mann zu finden. Freilich war esihm nicht recht, daß dieser seinen Sohn vergebens hatte nach