Druckschrift 
Goethes Stammbäume
Entstehung
Seite
149
Einzelbild herunterladen
 

Johann Kaspar. 1774. 1775.

Friedberg fahren lassen nnd ihm bei seiner Abreise ans einigeTage seinen Wolfgang entführte, der ihn bis Mannheim be-gleiten mußte. Doch auch wenn Wolfgang zu Frankfurt sichbefand, war wenig mit ihm anzufangen, da es immer in ihmgährte, stürmte und wogte. Stand er ja nach seinen großendichterischen Erfolgen noch immer in Zweifel, ob er nicht zumMaler bestimmt sei. Am 19. November fing er bei demMaler Nothnagel an in Öl zu malen „mit Beugung, Andachtund Hoffnung", da das Schicksal seines Lebens an diesemAugenblicke hänge, wo es sich entscheiden solle, ob sein Geniusihn zum Maler bestimme. Einen der überraschendsten Besucheempfing Wolfgang am Abend des 11. Dezember von demHauptmann v. Knebel, dem Erzieher des jungen WeimarischenPrinzen; er führte ihn zu den beiden eben nach Frankfurt ge-kommenen Prinzen, die seine Bekanntschaft wünschten. Sieluden den Dichter des „Götz" nnd „Werther" ein, sie inMainz zu besuchen. Knebel erbat sich Urlaub, um einen Tagnoch bei Goethe zu bleiben, mit dem er dann am folgenden beiihnen in Mainz eintreffen werde. Den Eltern gefiel der schöne,wohlmeinende, fein gebildete Mann gar sehr. Aber ungernsah es der dem Hofwesen nicht gewogene Vater, daß Wolf-gang den Prinzen nach Mainz folgte. Als dieser voll vonder genossenen Gnade zurückkehrte, konnte er in seinem stolzenreichsstädtischen Selbstbewußtsein ihn nicht dringlich genug inErnst und Scherz von der Verbindung mit Höfen abmahnen:das war ein Gebiet, auf dem seine Laune unerschöpflich sichzeigte.

Das Jahr 1775 sollte eines der verworrensten und un-ruhigsten von allen werden, welche Wolfgang und die um ihnbesorgten Eltern erlebten. Wir gehen ans das Einzelne diesesmit der Reise nach Weimar endenden Dramas nicht näherein. Die Lililiebe, die durch die Verwandten der Braut ihm