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Goethes Stammbäume
Entstehung
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Johann Kaspar. 1770—1772.

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nie in die Ehe mit einer fremden Landpfarrerstochtereinwilligen. Die Briefe, welche damals von Frankfurt nachStraßbnrg gingen, kennen wir nicht. Freilich entschloß Wolf-gang sich zur Entsagung, da er die Heirat wider des VatersWillen ebenso wenig ausführen konnte wie in Leipzig dasUmsatteln, aber des Vaters Hoffnung, daß der als Licentiatheimgekehrte Wolfgaug in seiner Vaterstadt sich der Advokaturmit voller Seele unter seiner eigenen thätigen Beihilfe widmenwerde, ging nicht in Erfüllung. Ja Frankfurt, wo er nachdem Wunsche des Vaters zum höchsten Ausehen gelangen sollte,war ihm ein Loch, die Juristerei zuwider; statt dem Justinianzu huldigen, feiert er zum Entsetzen des Baters in dessenHause den Geburtstag Shakespeares, dessen Schauspiele derkaiserliche Rat nicht weniger verabscheut haben wird, wie es derpreußische Heldeukönig Friedrich II. that, ja einige Wochenverwendet er ausschließlich auf die Dramatisierung der Lebens-beschreibung eines deutschen Raubritters, von der er mehrereAbschriften in der Wohnstube anfertigen läßt, und das ehren-volle Anerbieten der Straßburger Fakultät, ihn zum Doktorzu promovieren, schlägt er rund ab. Lebhaften Anteil nimmter an der vom Geiste der frischen Gegenwart belebten Frank-furter „Gelehrten Anzeigen", eilt ein paar Mal nach Darm-stadt, wo er sich mit Merck verbindet; dieser kommt auchnach Frankfurt, wo er freilich als ein verständiger, welt-gewandter Mann auch vom gastfreien Vater freundlich, vonMutter und Schwester herzlich aufgenommen wird. Statt derrömischen und deutschen Rechtsquellen ziehen den jungen Ad-vokaten der athenische Prozeß des Sokrates und die altgriechischenDichter an, die seine Seele dithyrambisch begeistern. Freilichfügt er sich dem Wunsche des Vaters, ein halb Jahr als Prak-tikant nach Wetzlar an das Reichskammergericht zu gehen, aberauch hier lebt er in den griechischen Dichtern, in der schönen