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II. Das Geschlecht des Dichters Goethe.
Die Verhältnisse der Friedberger Verwandten waren zurück-gegangen. Der Schreiner und Wirt Johann Christian mußtedie Stelle eines städtischen Visierers (Eichers) annehmen. SeinSohn, der Großuhrmacher, verlor kurz vor dem Ende desJahres 1767 seine Gattin, führte aber schon am 11. April1768 eine Schuhmacherstochter aus Friedberg heim. Er hieltsich in Frankfurt bis zu seinem am 11. März 1788 erfolgtenTod. Der Vater war schon am 11. Mai 1768 gestorben.Nach dem Ableben seiner Frau am 17. Jauuar 1770 brachder Konkurs über das Vermögeu der Eltern aus. Das Haus„Zum Ritter" wurde öffentlich versteigert. Der Rat Goethemag damals Konkursverwalter gewesen sein, wie er es siebenJahre später bei einem Konkurse des Ansteigerers war, vondem er einen Teil des dortigen Anwesens gekauft hatte.
Des Vaters Segen begleitete den Sohn am 31. März1770 nach Straßburg. Seine ersten Meldungen von dort ent-sprachen den Wünschen des Vaters, so daß dieser völlig beruhigtwar. Wir wissen, daß der kaiserliche Rat im Mai zwei Stun-den lang mit dem Legationsrat Moritz die Senckenbergischeärztliche Stiftung in allen Teilen genau besichtigte, er imSommer einen Ausflug nach Mannheim machte, auf welchemer unter andern auch den Leibarzt Or. Medicus besuchte. Zuseiner Freude berichtete Wolfgang im September, daß er diezur Promotion nötigen Prüfungen bestanden habe, so daß derVater die Promotion im Winter, spätestens im Frühling er-warten durfte. Aber statt seine Doktordissertation zu schreiben,trieb er medizinische Studien, widmete einen großen Teil seinerZeit, neben anderen Freunden, unter denen Weyland, dessenVater Bürger und einige Jahre Arzt in Frankfurt gewesenund der selbst dort als Arzt auftreten wollte, dem krankenHerder und verliebte sich leichtsinnig in Friederiken, obgleicher bei ruhiger Betrachtung sich sagen mußte, der Vater werde