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Goethes Stammbäume
Entstehung
Seite
139
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Johann Kaspar. 1764—1769.

Bildung fördern werde. Auf die mancherlei Sorgen, die ihmbald der Leipziger Student machte, gehen wir nicht ein. Seinewechselnde Laune, manches Sonderbare, das er aus den Briefenan die Schwester abnahm, sein zeitweiliges Schweigen, einzel-nes Tolle, das andere von ihm berichteten, hätten ihn stutzigmachen können, aber sein unerschütterliches Vertrauen auf desSohnes gute Natur verscheuchte immer wieder alle Bedenken:im Geiste schaute er ihn schon als tüchtigen Juristen, alswürdigen Teilnehmer am Frankfurter Stadtregiment, wohl garals Nachfolger seines Großvaters. Aber nach drei Jahrenmußte er ihn, durch ein ungeordnetes Leben geschwächt, kaumgenesen von einem schweren Blutsturze, selbst an seiner Her-stellung fast verzweifelnd wiedersehen. Mutter und Schwesterwidmeten ihm die besorgteste Liebe. Der Bericht in „Wahr-heit und Dichtung", daß der Vater alle Vergnügungen derSchwester verwehrt habe, diese deshalb ans das bitterste gegenihn verstimmt, ja verhärtet gewesen, erweist sich als unwahr.Ergab sich auch, daß Wolfgangs Lunge nicht angegriffen sei,so litt er doch fortwährend. Eine beim Radieren begangeneUnvorsichtigkeit rief die bedenklichsten Anfälle hervor. Ein Rück-fall hatte ihn so geschwächt, daß er sich äußerst schonen mußte.Der Vater geriet in halbe Verzweiflung, in der er zuweilenseinen Unmut nicht zurückhalten konnte. Wolfgang bezwang sichnicht immer den stillen und lauten Vorwürfen gegenüber. SeineBeschäftigung mit der Alchhmie schien dem Vater eine unsinnigeZeitvergeudung, sein Verkehr mit den Herrnhutern ekelte ihn;sein Dichten bedauerte er, weil es ihn von seinem eigentlichenZweck abführe; er sollte nicht so liederlich mit seinen großenGaben wirtschaften. Im Herbste 1769 gestattete er ihm zuseiner Erholung eine Reise nach Worms mit dem LegationsratMoritz, und er konnte es nicht hindern, daß er auf dieser auchder Herrnhuterversammlung in Marienborn beiwohnte.