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Goethes Stammbäume
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II. Das Geschlecht des Dichters Goethe.

geführt waren: er schnitt die Blätter auseinander, ließ sieeinzeln aufziehen und nötigte ihn jedes zu einem Ganzen ab-zurunden. Mit den schönsten Hoffnungen sah er, wie Wolf-gang sich die mannigfachsten Kenntnisse zu verschaffen suchte,woneben er freilich die juristische Vorbildung nicht vernach-lässigen durfte; gern gestattete er ihm auch seine dichterischenVersuche, die jetzt sich schon zum Drama verstiegen hatten. Auchvon heiterem Lebensgenuß im Kreise seiner Kameraden und inGesellschaft heiterer Mädchen hielt er ihn nicht ab; freilich,daß er mit einer Schauspielerin verkehrte, die er zur Ober-richterin seines neuen biblischen Dramas machte, ahnte ernicht, noch weniger, daß er sich auf der Hochschule statt derJuristerei den schönen Wissenschaften widmen wollte. Deshalbhätte er gern das aufblühende Göttingen besucht, aber derVater bestand darauf, daß er, wie er selbst, drei Jahre inLeipzig studieren sollte. Den Sommer 1765 besuchte Wolf-gang längere Zeit Wiesbaden, was darauf deutet, daß derArzt ihm das dortige Bad verordnet hatte. Der Vater befandsich zu derselben Zeit eines Leidens wegen in Laugenschwalbach.Sehr freute er sich, daß sein Sohn mehrere Jahre jünger, alser zur Zeit gewesen, Leipzig besuchte und dort zu einem tüchtigenJuristen sich heranbilden werde: seine große Jugend machte ihnebenso wenig besorgt als sein leidenschaftliches Übersprudeln;Kopf und Herz, hoffte er, würden ihn vor Irrwegen schützen.

In Leipzig brachte ihn Professor Böhme, an den er durchv. Olenschlager empfohlen war, leicht vom Plane des Um-sattelns ab, indem er ihm die Schwierigkeiten vorstellte, demWillen des Vaters entgegenzuhandeln. Dieser hatte ihm be-fohlen, ihm monatlich zu schreiben, und einen Briefwechsel mitder Schwester, nicht mit der Mutter gestattet; er selbst wollteihn von allem Nötigen unterrichten und brieflich sein Lebenregeln, auch ihm manche Aufgabe stellen, deren Lösung seine