1W II, Das Geschlecht des Dichters Goethe,
ließ ihn an häuslichen Geschäften, wie am Decken des Tischesund am Auffüllen des Weines teilnehmen, Aufträge in derStadt ausführen, mit Altersgenossen verkehren, die in gemein-samen Privatstunden und im Spiel seine Genossen waren. Auchgenoß er des innigen Zusammenlebens mit der Schwester undder besorgten Liebe der jugendlich heiteren, rein gemütlichen Mutterderen glänzende, gemütliche Märchen seine lebhafte Einbildungentzückten und anregten. Der Kreis der Verwandten wardin diesem Jahre durch die im Spätjahre gefeierte Hochzeit derzweiten Schwester seiner Mutter mit dem jungen PfarrerStarck erweitert, die schon im Frühjahr mit ihm sich verlobthatte. Mit der jüngsten noch ledigen Tante, die nicht vollefünf Jahre älter als Wolfgang war, stand der frühreife Knabeauf vertrautestem Fuße.
Schon damals hatte der Siebenjährige Krieg das Ver-hältnis des kaiserlichen Rates zum Schwiegervater getrübt,der, wie der ganze Rat, auf kaiserlicher Seite stand undFriedrich für einen Nebellen erklärte, während die Bürger-schaft ihm als Vertreter des Rechts der Fürsten und Ständegegen die Herrschsucht der stets wachsenden Habsburger Haus-macht zujubelten, Goethes Vater war preußisch oder fritzischgesinnt, wenn er auch den Bestand des Reiches wünschte undder Preußenkönig wegen seiner despotischen Gesinnung, die erdurch die Verhaftung Voltaires und sein Verfahren gegen denverwaisten Schustergesellen gezeigt hatte, ihm zuwider war.Aber er ehrte ihn wegen seines tapfern Mutes, der gegen eineWelt von Feinden sein gutes Recht vertrat, und so galt ihmsein überraschender Einbruch in Sachsen als eine Großthatersten Ranges. Die großen Erfolge des Königs hoben seinstrahlendes Bild zum unendlichen Jubel seiner Verehrer undzur Verzweifelung der Gegner, die das Ausland zum Schutzeder angeblich gefährdeten Reichsverfassung aufriefen und so