12-1 II- Das Geschlecht des Dichters Goethe-
zu ordnen war, besonders dem Hausbau, den er schon bei ihrenLebzeiten vielfach bedacht hatte, näher getreten werden sollte.Das Haus mit seiner unbequemen Einrichtung hinderte ihn anzweckmäßiger Aufstellung seiner Sammlungen und entsprach inkeiner Weise den Anforderungen, die man an eine freundliche,von Wohlstand zeugende Familienwohnung stellte. Wollte erauch den Bau nicht sogleich beginnen, sondern vorher die indiesem Jahre bevorstehende Niederkunft seiner Gattin abwarten,so sollte doch alles vorbereitet werden, damit er im nächstenJahre rasch zu Ende geführt werden könne. Die am 9. Sep-tember geborene zweite Tochter erhielt ihre Vornamen vonihren beiden Patinnen, der Gattin des Hofrats Moritz undderen Schwester. Schon am 7. März 1755 wurde der ersteRiß des Hauptbaues dem Frankfurter Rate eingegeben, aberdie Genehmigung des ganzen Baues verzog sich wegen desEinspruchs eines Nachbarn bis zum Mai, wo denn gleich mitdem Abbruch des Nebenhauses begonnen wurde. Dort wohnteein junger Jurist, der Sohn des verstorbenen Archivars Clauer,über den Goethe die Vormundschaft halte. Dieser muß schondamals nicht recht bei Sinnen gewesen sein; denn die Ankün-digung, daß er einige Zeit umziehen solle, machte ihn völligschwachsinnig. Den Entwurf des Planes und die ganze Vor-bereitung hatte Rat Goethe selbst mit Hilfe eines Zeichners,eines Maurers und eines Zimmermanns gemacht. Ein neuerGrund- und Schlußstein sollte zur Tragung des Gewölbes indie Brandmauer zwischen dem Haupt- und dem Nebenhausegelegt werden. Da der Rat alle irgend bedeutende Lebens-ereignisse durch eine gewisse Feierlichkeit weihen zu müssenglaubte, so durfte eine solche auch bei dieser Gelegenheit nichtfehlen. Der junge Wolfgang stieg, als Maurer gekleidet, dieKelle in der Hand, an der Seite des Steinmetzen, von mehrerenMaurern begleitet, in die Tiefe, um beim Einmauern mit