Johann Kaspar Goethe. 1753. 1754. 123
lischen Geschichte von David und Goliath sah, ein Vergnügen,das der Vater ihm unbedenklich gern bereitete. Bald darauffiel die an ihren Enkelkindern so liebevoll hängende Greisin ineine rasch fortschreitende Ermattung, so daß sie tagsüber immerim Lehnstuhl saß und man die Kinder fernhalten mußte. Ganzunerwartet entschlief sie am Abend des 26. März 1754. IhrArzt Senckenberg berichtet: „Sie geht schlafen, schnell hörtsie auf zu sprechen, und als man nach ihr sah, war sie schonohne Bewegung und ohne Laut." Sie war der gute Geniusdes Hauses gewesen; die beiden älteren Kinder, besonders Wolf-gang, hatten noch die treue Liebe der so milden und edlenGroßmutter empfunden. Den Haushalt hatte in der letztenZeit die Frau Rat geführt. Daß die Mutter die Knickerig-keit ihres Sohnes gegen seine Frau gefürchtet und sie kurzvor ihrem Tode durch eine ihr übergebene größere Summe habesichern wollen, und was weiter daran geknüpft wird, Elisa-beth habe dem Gatten dies später mitgeteilt und das Geldübergeben, er aber das Versprechen, es ihr zu verzinsen, nichtgehalten, ist eine der vielen Luftspiegelungen, worin die stetsgeschäftige Skandalsage die spätere Kargheit von Goethes Vaterausgeführt hat, und wohl eine sehr junge. Hätte die Mutterdes Sohnes Kargheit gefürchtet, so würde sie nicht einen solchensonderbaren Umweg genommen, sondern offen ihren Kasparermahnt haben. Vielleicht liegt der Sage die Geschichte im„Werther" zugrunde von der Frau, der ihr filziger Manndas zu geringe Wochengeld auch bei der Vermehrung derFamilie nicht erhöhen wollte, so daß sie genötigt war, ins-geheim das Nötige aus der Kasse zu nehmen, was sie ihm erstauf dem Totenbette gestand, aus Rücksicht auf diejenige, dienach ihr den Hanshalt zu führen haben werde.
Der Tod der Mutter, wie bitter auch der kaiserliche Ratihn empfand, gab ihm vielfache Beschäftigung, da so manches