Druckschrift 
Goethes Stammbäume
Entstehung
Seite
120
Einzelbild herunterladen
 

120 II. Das Geschlecht des Dichters Goethe.

als angesehenen Juristen, was sein berühmter mütterlicher Ur-urgroßvater gewesen, schon im Regiments der Stadt, wie dieser,der als Syndikus berufen worden, ja als Stadtschultheißen,wie sein Pate. Einen Monat später verlobte der Zinn-gießermeister seine älteste Tochter, die Patin der Mutter desRates. In der Hausbibel heißt es- „1749 den 27. OctobrisMoutagsabend ist der Herr Nachbar Streng an der Born-gasse Johann svielmehr Ulrichs Thomas das erste Mal zumir ins Haus gekommen und hat um meine Tochter Corneliagleich angehalten. sDer Handelsmann Streng war Witwer.sIst ihm auch gleich willfahrt worden, und den 30. OctobrisDonnerstag drauf hat er abends unter achtzehn guten Freundendas Jawort geholt, und den 2. Novembris Sonntags drauf ister mit ihr aufgeboten worden und vierzehn Tage hernach den17. Novembris ist die Hochzeit gehalten worden. Und Mon-tags früh in der Barfüßerkirche vorher ganz allein durchHerrn Pfarrer Schmidt kopuliret und nachmittag um zwei Uhrdie Hochzeit im ,König von England', nur einen Abend untereiner Tafelmusik vom ganzen Chor von zwölf Musikanten, wo-bei bis früh vier Uhr getanzt, gehalten worden. Gott verleiheihnen seinen Segen!" Wir bemerken, daß auch Goethes MutterCornelia eine geborene Streng war.

In demselben Jahre wiederholte der Schustergeselle ChristophJustus Goethe beim Rate dringend seine Bitte um Zulassungzum Bürger- und Meisterrechte, indem er nachwies, daß ervergebens aus seiner Heimat einen Geburts- und Lehrbriefzu erhalten gesucht, und sich auf die Verbürgung seines An-verwandten, des Rates und Zinngießermeisters Goethe für seineeheliche Geburt berief. Der Rat sprach wiederholt die Zu-lassung aus. Aber die Geschworenen des Handwerks hieltensich au den Buchstaben, sie verwarfen nicht bloß die Ver-bürgung, die nicht den Geburtsschein ersetzen könne, sie wagten