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Goethes Stammbäume
Entstehung
Seite
119
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Johann Kaspar Goethe, 1747—1749. 119

fand am 20, August 1748 statt (S. 24 f.) zur Wonne der fastachtzigjährigen Mutter, welche mit dankbarer Liebe die gute,fast noch kindliche Schwiegertochter aufnahm und durch ihreWärme die etwas kühle, ruhige Liebe des Sohnes würzte, diemehr eine väterliche Teilnahme als eine gattliche Herzens-neigung war. Erst als der glückliche Gatte der baldigenNiederkunft entgegensah, am 25, Juni 1749, trat er in dasBürgerrecht ein; seine Schätzung aber betrug nicht mehr als2000 Gulden, wofür er nur ein Bürgergeld von einem Guldenzehn Kreuzer bezahlte, wie zweinudzwanzig Jahre später seinSohn, der Advokat, und dabei auch „für Feuereimer einenGulden zehn Kreuzer, pro iusorixtious zehn Kreuzer", Diegeringe Einschätzung erklärt sich daraus, daß er als Haussohneintrat, da er den vom Vater im letzten Willen ihm befohle-nen „kindlichen Respekt und Gehorsam" so sehr beobachtete,daß er der Mutter das Vermögen ganz überließ; nach ihremTode zahlte er natürlich die höchste Schätzung.

Außer der rastlos im Hause wirkenden Schwiegermuttererfreuten die junge Frau das väterliche Haus, die Liebe derMutter und die heiteren gemütlichen Schwestern, auch ein Kreisvon Freundinnen, die zu frommer Gottesverehrung sich bekannten,ja mit pietistischem Schwärmen von Christi Kreuz, Dornenund Striemen sich die nüchterne Katechismuslehre würzten,und bald das erwartete Mutterglück, wodurch auch ihr aufeine tüchtige Nachkommenschaft hoffender Gatte erheitert underhoben wurde. Das schönste Glück leuchtete dem dunkelnHause auf dem großen Hirschgraben, als am Morgen des26, August die ängstlich hinter dem Bette der sechzig Jahrejüngeren Wöchnerin harrende Schwiegermutter den Jubelruferhob: „Elisabeth, er lebt!" Auch der kaiserliche Rat warwie neugeboren; er sah seineu Wolfgang, dessen Pate einzigund allein der vornehmste Bürger Frankfurts wurde, schon