>04 II. Das Geschlecht des Dichter? Goethe.
gewandtes Wesen, vielleicht auch durch seine musikalische Fer-tigkeit erworben hatte, so daß dieser häufig das Haus besuchte.Freilich findet sich sonst keine Spur einer Verbindung mitvornehmen Herren, vielmehr hielt er sich, so viel wir wissen,immer in seinem Stande, verkehrte mit Handelsleuten undtüchtigen Handwerksmeistern.
Über all den Liebhabereien wurde das Geschäft nicht ver-nachlässigt. Besonders eifrig wird Friedrich den Weinhandelbetrieben haben. Noch im Jahre 1788 hatte Goethes MutterWeine von 1706 und 1719; Goethe selbst erwähnt auch solchevon 1726. Friedrich wird denselben schwunghafter als Schel-born fortgesetzt haben. Daß er 1725 den Weingarten vordem Friedberger Thore besaß, zeigt noch das innerhalb dieserJahreszahl stehende IV (sl. auf dem Kappensteiu des dortigenThürgestocks. Wahrscheinlich wird er auch durch Häuser-handel, wie sein Schwiegervater Walther und viele andere, seinVermögen vermehrt haben. Die Hauskaufregister jener Zeitsind nicht mehr vorhanden. Wir wissen nur, daß ein aus derersten Ehe stammendes Haus nach seinem Tode eine Erbschafts-steuer zahlen mußte. Wie hoch sein Vermögen gestiegen war,ergiebt sich daraus, daß 1733 nach dem Tode des blödsinnigenSohnes das väterliche Erbteil aus beiden Ehen auf 18 468 Gul-den nebst sechs Stück und sieben Ohm Wein sich belief; zieht mandavon das wohl 2000 Gulden betragende Vermögen der erstenEhe ab, so dürfte das gesamte väterliche Vermögen zweiter Ehejedenfalls 30 000 Gulden überstiegen haben, das Gesamtver-mögen der zweiten Ehe weit über 40 000 sich berechnen, sodaß Friedrich Goethe zu den wohlhabenden Gastwirten Frank-furts sich zählen durfte, wie auch zu den feinsten und artigsten,in dessen Haus Gebildete gern verkehrten.
Von Friedrichs Söhnen arbeitete Hermann Jakob rüstig,um als Zinngießermeister sein Fortkommen zu finden; von