Druckschrift 
Goethes Stammbäume
Entstehung
Seite
102
Einzelbild herunterladen
 

U)2 II. Das Geschlecht des Dichters Goethe.

seien, ist eine in jeder Beziehung unhaltbare Vermutung. Wiehätte der frühere Schneidermeister dazu kommen sollen, gleichErzbischof Willigis von Trier, auf das Handwerk seines Vatersdurch die Hufeisen, um von den Steigbügeln gar nicht zusprechen, hinzudeuten, da er selbst dasselbe aufgegeben hatte,wie hätte der Rat Goethe gar nicht wissen sollen, was seinesVaters Wappen bedeute und wie albern wäre er gewesen,wenn er die nach oben gerichteten Leiern mit einem nach untenoffenen Hufeisen verwechselt hätte! Noch viel weniger ist esdenkbar, daß der Vater selbst dieses Wappenzeichen erfundenund das Hufeisen so verzeichnet habe. Nur ein so begeisterterFreund der Musik, wie Friedrich Goethe, konnte auf den Ge-danken kommen, in sein Wappen Leiern aufzunehmen, der RatGoethe nur ein überkommenes Wappen, nicht ein selbsterfundenesmit dem alten Textorischen verbinden. Die Liebe zur Musikhatte der Rat Goethe wohl von seinem Vater, der ihn selbstdarin unterrichtet haben dürfte. Aus einer gelegentlichenÄußerung Goethes wissen wir, sein Vater habe noch spätergern auf der Laute gespielt. Daß er kein anderes Instrumentin der Jugend geübt, folgt daraus nicht. Als einen beson-deren Freund des Violinspiels erweist ihn die große Freude,die ihm noch 1777 die Kunstfertigkeit des Weimarischen Kam-mermusikers Kranz machte. Den durchreisenden Virtuosen aufder Gambe, K. Friedrich Abel, nahm er gastfreundlich in seinemHause aus. Seine Gattin mußte fleißig Klavier spielen undsingen, auch die Kinder spielten und sangen. Unter den Gegen-ständen, die der Vater anfangs Mai 1758 im neuen Hauseverkaufen ließ, waren auch eine Violine und eine Uluts tru-vsrsisrö von Ebenholz, die vielleicht aus dem Nachlasse vonFriedrich Goethe stammten, und wir dürfen wohl annehmen,daß er dieser Instrumente nur deshalb sich entledigen wollte,weil er ihrer zu viele besaß. Daß er mit einer Flöte den Kin-