Friedrich Georg. 1705-1710. Sein Wappen. 10t
aber wohlthätig. Ihren Gatten hat er kaum gesehen, währendsein älterer Bruder im Hause freundlich verkehrte; er ge-denkt der Äußerung eines andern, dieser sei ein sonst artiger,aber hochmütiger Kerl gewesen; habe die Musik wohl ver-standen, sei aber über seinen Hochmut von Sinnen gekommen.Aus dieser von Seuckenberg wohl noch vergröberten Schil-derung (sein älterer Bruder würde ihn wohl anders berichtethaben) hören wir heraus, daß Goethe ein selbstbewußter, durchdas, was er war und errungen hatte, gehobener Mann war,der sich zutraute noch weiter zu kommen. Redlich war er fürsich und die Seiuigeu bemüht, aber er genoß auch das Leben,indem er seinen ihn erfreuenden Neigungen sich gern hingab,ohne sie zur Leidenschaft zu steigern. Das mögen wohl manchedem ehemaligen Schneidermeister neidisch verdacht haben, aberer ließ sich dadurch nicht irren, sondern verachtete solche Klein-herzigkeit, sah mit gerechtem Stolze auf solche Jämmerlichkeitherab. Besonders erfreute ihn die Musik, und er muß großeFertigkeit, wohl auf mehreren Instrumenten, nicht bloß aufder Laute, erlangt haben. Die vielen durchreisenden Virtuosengaben ihm Gelegenheit, die höchste Vollendung der Kunst zubewundern. Er selbst scheint sich ein Wappen gemacht zuhaben, worauf drei Leiern sich befanden. Sein Sohn hat allerWahrscheinlichkeit nach dieses väterliche Wappen mit dem desmütterlichen Geschlechts Textor verbunden; denn unter demoberen Teile des Textorischen Wappens findet sich ein von obenrechts nach unten schräg gehender Balken mit drei übereinandernach oben liegenden Leiern. Daß auf diesem von GoethesVater zusammengesetzten, über der Thüre seines umgebautenHauses im Jahre 1755 angebrachten, auch als Petschaft ge-brauchten Wappens die Leiern aus Mißverständnis statt derursprünglichen Steigbügel oder Hufeisen, als Zeichen des vomGroßvater getriebenen Hufschmiedhandwerks, hervorgegangen