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II. Das Geschlecht des Dichters Goethe.
Die zweite Ehe blieb, wie die erste, kinderlos. In seinemletzten Willen setzte Schelhorn seine Gattin zur Erbin ein, nur1700 Gulden vermachte er zugunsten von Verwandten. Dadie Witwe außerdem ein Drittel des Vermögens ihres Vaterserhielt, der die höchste Schätzung zahlte (er war zwei Monatevorher gestorben), so durfte sie als eine gute Erbin gelten,durch die das Vermögen des Schneidermeisters erfreulich er-höht wurde. Sie ging um so lieber auf die Bewerbung desartigen Mannes ein, als dieser, der sein Handwerk aufzugebensich entschieden hatte, ihr Geschäft bei so gestiegenen Mittelnbedeutend heben werde. In Rücksicht auf dieses sollte dieHeirat möglichst beschleunigt werden; vielleicht verursachte derTod des jüngsten Sohnes (Johann Nicolaus Goethe starb am1. April 1705) noch eine kurze Verzögerung. Die am i. Maigeschlossene Ehe entsprach den beiderseitigen Hoffnungen.
Das erste Kind, die am 24. Juni geborene Sibylla starbschon im nächsten Monate, aber die beiden am 22. September1708 und am 29. Juli 1710 geborenen Söhne Johann Fried-rich und Johann Kaspar wuchsen zur Freude der Eltern auf;ganz besonders begabt schien der jüngere. Im Jahre 1709war die Schwiegermutter Walther gestorben, wodurch auch einTeil des Vermögens, von dem diese den Nießbrauch gehabthatte, der Tochter zufiel. Von den Kindern erster Ehe kamenin das neue Haus der blödsinnige Johann Michael, der, wiees scheint, zu keinem Gewerbe taugliche Johann Jakob und derachtjährige Hermann Jakob, der wohl schon frühe zum Zinn-gießer sich bestimmt hatte. Ein wahrer Haussegen wurde demartigen, gefälligen und unterhaltenden Wirte die treffliche, stetssorgsame und liebevolle Gattin. Senckenberg, der sie freilicherst nach ihrem fünfzigsten Jahre kennen lernte, Arzt derSiebzigjährigen war, schildert sie als sanfte, gelassene, einfache,immer arbeitsame Frau, von etwas langsamer Natur, sparsam,