Die Textor- und Goethesche Nachkommenschaft. 179>, 65
„Prorektor" sollte im Herbste nach Tübingen gehen, um dortseine Studien zu vollenden und als akademischer Lehrer derRechte aufzutreten. Die Seinigen freuten sich seiner Vater-stadt. Mittags aß er mit ihnen und der Mutter imGasthofe „Zum Schwan"; den 4. und 5. fuhr er mitihnen um die Stadt und nach Sachsenhausen; am 6. sahensie zusammen die Parade. Das Tagebuch berichtet vom Ii.:„Visiten bei den Verwandten", am 13.: „Nach TischeMelber; seine Geschichte vor dem Jnquisitionsgerichte inParma", am 15.: „Früh skamj Major Schuler und Frau; ver-schiedene Geschichten und Vorfälle vom Bombardement. NachTische vr. Textor und seine Frau." Den Verwandtenscheint er die Seinigen nicht vorgestellt zu haben, nur denFreunden, bei denen er eine freisinnigere Beurteilung erwartenkonnte, die auch die Mutter ihm entgegenbrachte. Goethefand diese jetzt ganz heiter in ihrer bequemen, geräumigen undprächtig gelegenen Mietwohnung im „goldenen Brunnen". Mitihr besprach er auch ihre Vermögensverhältnisse; er riet ihrgrößere Vorsicht in der Anlage ihrer Gelder, da sie durchhöhere Zinsen sich hatte verleiten lassen, zu wenig auf gehörigeSicherheit zu achten. Eine unendliche Freude machte er derFrau Rat durch die Vorlesung des Gedichtes „Hermann undDorothea", dessen Handschrift ihn begleitete; hatte er doch sieselbst, wie er ihr schon brieflich mitgeteilt, in Hermanns Mutterdargestellt, und der in der Dichtung wehende Geist war derihrige. Am 25. morgens nach sieben Uhr verließ er Frank-furt, das er bei der Rücklehr wieder besuchen wollte. Auf derReise hielt er sich auch einige Zeit in Tübingen auf, wo erdie meisten Universitätsprofefforen kennen lernte. Seineu Vetter,der bald nach Tübingen kommen und nach Beendigung seinerStudien sich als Lehrer an der Hochschule versuchen sollte,dürfte er kaum den juristischen Professoren, von denen er die
Düntzer, Goethes Stammbäume. 5