I. Das Geschlecht Textor. 2.
Zu Dessau lernte Goethe anfangs Januar 1797 den schonerwähnten, mit der Prinzessin Agnes von Anhalt-Dessau ver-mählten v, Loen kennen. In den „Jahr- und Tagesheften"berichtet er, die Familie v. Loen habe sich ihm damals alseine angenehme, zutrauliche Bekanntschaft gezeigt und man habesich an den Erinnerungen der frühesten Frankfurter Zeitenergötzt. Das Tagebuch gedenkt ausdrücklich nur des Besuchesdieses Herrn v. Loen am Morgen des 4.; er hatte seinenFrankfurter Verwandten schon am 3. bei Hofe getroffen.Zu Frankfurt starb am 31. April Neubnrgs Gattin im sechs-undzwanzigsten Jahre mit Hinterlassung einer vor drei Jahrengeborenen Tochter und eines Sohnes. Anfangs Juni ver-zichtete die Frau Rat für den Fall, daß Wolfgang vor ihrsterben sollte, auf seine Erbschaft, da er in seinem Testamentevor der nach Italien festgesetzten Abreise zugunsten der Seinigenverfügen wollte. Den 17. empfahl die Mutter einen jungenJuristen, der im Herbst die Universität Jena beziehen wollte,zu einem Freitisch. In demselben Briefe sprach sie ihre großeFreude über seine Ankündigung ans, daß sie in einem seinerWerke vorkommen solle. Den 3. August langte Goethe morgensum acht Uhr in Frankfurt an. Zwölf Stunden später trafendie muntere Christiaue und sein August ein, die bei der Mutterdie herzlichste Aufnahme fanden. Daß diese von seinem Freunde,dem freisinnigen preußischen Geheimrat v. Willemer, und demRatsherrn Stock und dessen Gattin freundlich begrüßt wur-den, setzte ihn in die heiterste Stimmung. Die Seinigenverließen Frankfurt bereits am Nachmittag des 7.; er selbstblieb drei volle Wochen. Außer der sechsuudsechzigjährigenMutter fand er noch die nur drei Jahre jüngere Tante Mel-ker, den Major Schuler und den freilich sehr leidenden SchöffenSchlosser. Von den Vettern waren zwei Advokaten, zweipraktische Ärzte, einer Oberlieutenant. Der Dichter des