62
I. Das Geschlecht Textor. 2.
Ärzte seiner Vaterstadt befähigte, der Ruf des großen KlinikersJohann Peter Frank zog ihn nach Pavia, und er folgte demverehrten Lehrer im nächsten Jahre nach Wien, wohin dieserals Leiter des allgemeinen Krankenhauses berufen worden war,doch sah er sich vorher noch in Italien zur Bereicherung seinerärztlichen Kenntnisse um. In Wien gelang es ihm auch, alsPraktikant Zutritt zu dem sonst den Ausländern verschlossenengroßen Gebärhause zu erhalten.
Am 1. Mai 1795 verkaufte Goethes Mutter, wie derSohn ihr schon lange geraten hatte, ihr Haus auf dem Hirsch-grabeu: die Ankäufer waren Johann Gerhard Blum und dessenBraut Susanua Maria Soldau. Ihre Kinder mußten ihrhierzu Vollmacht geben. Vom Verkauf ihrer Baumwiesen undihrer Weine schenkte sie Wolfgang zweitausend Gulden, über-nahm auch den Teil eines Kapitals, das sie früher mit demPfarrer Starck gemeinsam besessen hatte, da dieser des Geldeszur Aussteuer der beiden Söhne bedurfte. Den 5. Juni ver-mählte sich Luise Schlosser zu Ansbach mit Nicolovius, derfürstlich-bischöflich Lübeckischer Kammersekretär zu Eutiu ge-worden war. Goethe freute sich unendlich, als seine Christianeihn am 1. November mit einem zarten Knaben beschenkte,obgleich er auf ein Mädchen gehofft hatte, das er, wie erlaunig gegen den wider seine Christiane erbitterten Schilleräußerte, dem Sohne seines verbündeten Dichters zur Gattinheranbilden wollte. Als auch dieses Kind ihm schon am 17.entrissen wurde, war sein Schmerz noch entsetzlicher als beiden früheren gleichen Unfällen.
Jubelnde Freude ergriff die Frau Rat, als sie die Kundevon der glücklichen Niederkunft ihrer Enkelin in Eutin erhielt.„Nun danket alle Gott mit Herz, Mund und Händen, dergroße Dinge thut", schrieb sie am 5. April 1796. „Ja Wohl,an euch, an mir, an uns allen hat er sich aufs neue als den