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Goethes Stammbäume
Entstehung
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SenckenbergS Verleumdung von I. W, Textor. 45

richtet er über seine Vergangenheit als Prokurator in Wetzlar.Dort sei er durch Schlemmen im Essen und Trinken armgeworden; nicht genug damit, soll er sich durch geschlechtlicheAusschweifung oft und schwer vergangen, unter anderem einBürger ihn bei seiner Frau ertappt und seiner Anklageschriftdie ihm abgerissene Perücke als Beweis beigelegt haben. Undeinen solchen Klatsch wagt ein Mann, den man für strengsittlich halten soll, im Ernst niederzuschreiben, weil sein Haßgegen Textor ihn eben den frechsten Verleumdungen zugänglichmachte. So wagte es denn dieser selbstgerechte Weiberfeind,auch dessen Gattin der schlimmsten Verletzung ihrer Frauen-ehre zu zeihen. Solchen Frommen ist eben nichts heilig alsihr eigenes Streben nach dem Himmel und seinen glänzendstenEhrensitzen. Eine Folge der Armut, in welcher Textor nachFrankfurt zurückgekehrt sei, soll auch seine und seiner FrauBestechlichkeit gewesen sein. Schwere Beschuldigungen dieserArt wird sich kein wahrhaft sittlicher Mann ohne die zwin-gendsten Beweise gestatten, am wenigsten ohne genaue Angabederselben für die Nachwelt aufzeichnen. Verdächtigungen wegenBestechung waren damals so allgemein, daß selbst SenckenbergSBruder in Wien ihnen nicht entgehen konnte. Auch der Mode-sucht wird Textor beschuldigt. Wir hören, Lersner habe 1751von seinem Pariser Aufenthalt das französische Modekleid mit-gebracht, sei als älterer Bürgermeister nicht in seinem vene-rablen alten Ratsherrnkleide mit Krügelchen, sondern in einemfarbigen Rocke mit weißseidener und goldgestickter Weste indie Kirche gefahren, habe einst, weil er vom Rathause aufein Festessen gehen wollte, in das Audienzzimmer sein Festkleidbringen lassen, um sich dort umzukleiden, und habe so ooutroIs rssxsot aus dem Römer eine Garderobe gemacht. DemBeispiele Lersners folgend, sei Textor ohne das Krügelchenauf dem schwarzen Rathauskleide im Römer erschienen. Das