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I. Das Geschlecht Textor. 1.
herausnehmen ließ, so beweist dies keineswegs, daß er sie fürwahr hielt, er beseitigte sie eben als unwürdig; im anderenFalle hätte er sie vernichtet. Ja, Verrat ist gespielt worden,ein nicht durchgegangener, von Erasmus Senckenberg, eingelungener, durch den Mißbrauch des Durchzugsrechtes von-seiten der Franzosen, wobei freilich einzugestehen ist, daß diekaiserlichen Minister zu Wien, wie der Reichshofrat v. Sencken-berg wußte, die Besetzung Frankfurts wünschten. Wenn Sencken-berg hier einer seit 1760 viel verbreiteten, aber aus der Luftgegriffenen Verdächtigung^), die seinem Hasse schmeichelte, ge-wissenlos folgte, so steht es in anderen Fällen noch vielschlimmer, wo er einer losen von Hinz oder Kunz ihmzugetragenen Verleumdung glaubte, ja in seiner leidenschaftlichenWeise sie noch verschärfte. Da glaubt man nicht den frommenArzt, sondern den von Schmähsucht geschwollenen Bruder Eras-mus zu hören.
Der ärztliche Wassertrinker, der einst vor der Promotionvier Quart Palmsekt getrunken hatte, um sich gegen den Teufelzu stärken, giebt Textor für einen wüsten Trinker aus undschreibt seinem Trinken das Frösteln zu, woran er stets, auchim Sommer, gelitten habe. Die letztere Thatsache möchtenwir ebenso bezweifeln wie ihre pathologische Erklärung. Sencken-berg war nicht Textors Arzt und Vertrauter, konnte diesalso nur von anderer Seite, etwa gar von seinem sauberenBruder wissen, und nach allem, was uns bekannt, erfreutesich Textor der besten Gesundheit. Doch diese Liebe zum Weinewollte wenig sagen, sähe man in dieser Anschuldigung nichtdie Absicht, Textor etwas anzuhaben. Viel Schlimmeres be-
*) Vgl. W. Stricker, Die Besetzung der Reichsstadt Frankfurtdurch die Franzosen, in Raumers „Historischem Taschenbuch". SechsteFolge, Band IV (1885).