SenckmbergS Verleumdung von I. W. Textor. 13
Verrat der Stadt an die Franzosen durch Geld bestechen lassen,so folgte Senckenberg darin einer Verdächtigung, die sich erstinfolge der fast unerträglichen Bedrückung Frankfurts durchdie als übermütige Herren auftretenden Franzosen oerbreitethatte; aber niemand hatte wohl Textor für alles Böse inFrankfurt verantwortlich gemacht, wie Senckenberg, der sichschon, seiner eigenen Äußerung nach, der Rache freute, die Gottdeshalb an diesem nehmen werde. Kriegk selbst muß zugeben,daß an eine Geldbestechung kaum zu denken sei, aber damitfiele ja das Verbrecherische der That weg, wenn die Stadt-verwaltung, da sie zum Widerstande sich unfähig fühlte, dasnotwendige Übel auf sich genommen hätte. Ein sittlicher Mannwird eine so schwere Anklage nicht verbreiten, ohne den vollentatsächlichen Beweis zu besitzen; das Gewissen der Frommenist leichter. Hätte Senckenberg etwas Genaues davon gewußt,er würde es, wie so manches andere, mit Gift und Galleausgespieen haben. Die dafür angeführten Gerüchte sind ansich wunderlich und widersprechen sich selbst. Schon im Ok-tober 1758 soll man in Mainz und sonst von der Verabredungmit den Franzosen gewußt haben, während die Überrumpelungerst im Januar 1759 und zwar unter einem neuen Bürger-meister erfolgte, nicht demjenigen, der beim Abschlüsse beteiligtgewesen sein sollte. Thatsächlich ist nur, daß Senckenbergseigener toller Bruder (Senckenberg berichtet es selbst) dieFranzosen aufgefordert hat, die Stadt zu besetzen, ja er sollauch auf die Art und Weise aufmerksam gemacht haben, wiedies am leichtesten geschehe. Von den Franzosen wäre esthöricht gewesen, wenn sie durch Verhandlungen, deren Erfolgdoch immer zweifelhaft blieb, dasjenige anzubahnen gesuchthätten, was sie durch eine Überrumpelung mit leichter Handerreichen konnten. Wenn der Rat später aus SenckenbergsAufzeichnungen die verleumderischen Äußerungen gegen ihn