Johann Wolfgang Textor. 1763—1767. 37
das Haus des Schultheißen, wo ihn Goethe kennen lernte.Die ledige Tante war außer Vater und Schwester die einzigeVerwandte, mit welcher der Leipziger Student eine brieflicheVerbindung verabredet hatte. Auch an Schlosser schrieb er.Anfangs 1766 verlobte sich der Oheim mit der elf Jahrejüngeren Tochter des Buchhändlers Eustachius Möller, die, wieseine Mutter, Maria Margareta hieß. Dem von Weisheiltriefenden Studenten, der sich ganz eigene hohe Ansichten vonweiblicher Bildung geschaffen hatte, schien die Braut zu ge-lehrt, und so hielt er diese Verbindung für eine große Thor-heit. Dennoch lieferte er zu der am 17. Februar gefeiertenHochzeit ein Gedicht voll leeren Pompes, das von der Familiemit Lobsprüchen beehrt wurde, und ihm selber gefiel es, bisProfessor Clodius, dem es vorgelegt wurde, so arg damit um-ging, daß er längere Zeit an seiner dichterischen Begabungverzweifelte. Einen ganz entgegengesetzten Auftrag erhielt erim September von seinem Vater. Dieser stand mit seinemGevatter, dem 1764 geadelten, zwei Jahre später zum General-major erhobenen Hoffmann auf gutem Fuße. Als dessen Gattinam 16. September zu Darmstadt gestorben war, trug erWolfgang auf, ein Trauergedicht auf sie in französischer Sprachezu liefern, was dieser denn auch in pomphafter Weise that,wobei das Stichwort war, daß die Generalmajorin in derfreudigen Zuversicht gestorben, im Jenseits ihre einzige Tochterwiederzufinden. Schon am 29. Januar 1767 wurde des OheimsEhe durch einen Sohn gesegnet, zur größten Freude desSchultheißen, welcher in diesem Enkel, der natürlich seine Vor-namen erhielt, den Fortpslanzer seines Geschlechts im männ-lichen Stamme gewonnen zu haben hoffte. Völlig außer sichbrachte den Leipziger Studenten bald daraus die Kunde vonder Verlobung seiner schönen Tante mit dem volle dreizehnJahre älteren Lieutenant beim Kreiskontingent Georg Heinrich