I. Das Geschlecht Tcxtor, 1.
berufen. Textor wurde wegen seiner besonderen Begabungzum Reichstage als Vertreter der Stadt gewählt. Auch alsam 8. Oktober München wieder gewonnen war, hielt der Kaiseres nicht für geraten, in seine Erblande zurückzukehren; er be-schloß, den Winter in der gastlichen Krönungsstadt zu bleiben.Für das Jahr 1743 wurde Textor zum zweitenmal alsälterer Bürgermeister erwählt. Als solcher hatte er die Maje-stät zum neuen Jahre zu beglückwünschen und jeden Abend vonihm die Parole für den nächsten Tag einzuholen, wodurch ermit dem durch sein Unglück noch milder gestimmten Kaiser innächste Berührung kam. Dieser, der schwer an Gicht litt,hatte auch das Mißgeschick, im März zwei Töchter an denBlattern zu verlieren. Textor mußte ihm, und er konnte esaus vollem Herzen, das Beileid von ganz Frankfurt aussprechen.Infolge der Fortschritte der feindlichen Heere fühlte sich aberder Kaiser so bedroht, daß er am Mittwoch vor Ostern denReichsständen erklärte, er wolle nach den Festtagen in seineErblande zurückkehren. Der so gute, schöne und liebenswürdige,geistig und körperlich leidende Monarch wurde allgemein be-dauert, besonders auch von Textor, dem er sich so gnädig er-wies, dessen ganze junge Familie mit schwärmerischer Verehrungau ihm hing; denn trotz aller phantastischen AusschmückungenBettinens darf es kaum bezweifelt werden, daß seine beidenälteren Töchter von Begeisterung für den Kaiser glühten. Der17. April, an welchem er von Frankfurt schied, war für sieein Tag bitterster Trauer. Aber der Kaiser, dem man mitRecht den Namen des Unglücklichen gegeben hatte, sah sichschon nach neun Wochen genötigt, noch einmal in Frankfurtseine Zuflucht zu nehmen. Seinen kaiserlichen Dank bezeigteer der Krönungsstadt dadurch, daß er am 6. August auf ewigeZeiten die sieben ältesten Schöffen und den ältesten Syndikuszu wirklichen kaiserlichen Räten ernannte, wodurch denn auch