Johann Wolfgang Textor. 1741—1742. 19
Erst am 29. Oktober wandte sich der noch immer nicht her-gestellte Olenschlager wieder an den Rat; er forderte Satis-faktion wegen des „attentierten llomieickü ckolosi" und drohtemit Notwehr, wenn nicht verfügt werde, daß jener, wenn erin Frankfurt oder auf dessen Gebiet sich betreten lassen sollte,sofort verhaftet werde. Der Rat beschloß, da Lindheimer nichtunter seiner Jurisdiktion stehe, Olenschlager an dessen Landes-herru zu verweisen. Später ward freilich ein Zeugenverhörbeschlossen und abgehalten, aber die Sache verlief im Sande,da die fürstliche Negierung zu Darmstadt mit Repressaliendrohte, wenn man Lindheimer im Frankfurtischen niederwerfe.Für Textor war dieser von seinem Schwager in seinem Hauseverübte, auch für seine Familie, seine Frau und die ältesteTochter sehr aufregende Anfall doppelt unangenehm gewesen,aber das folgende Jahr ward für ihn und Frankfurt erfreulich.
Eine der glänzendsten Kaiserkrönungen erlebte die Stadt,als Kurfürst Karl Albrecht von Baiern, der Österreich mitHilfe Frankreichs und Spaniens überwunden hatte, zum Kaisererwählt worden war; denn beide Mächte und der Bruder desneuen Kaisers, welcher Kurfürst von Köln war, verschwendetengroße Summen, um die auf den 12. Februar 1742 festgesetzteKrönung mit höchstem Prunke auszustatten. Als Schöffe nahmTextor am Empfange und an allen Festlichkeiten zu Ehren desneuen Kaisers teil, der, wie österreichisch auch die gute StadtFrankfurt gesinnt war, doch durch seine Leutseligkeit und seineedle Erscheinung sich die Herzen gewann. Aber schon zweiTage nach der Krönung fiel seine Hauptstadt in die Händeder Österreicher, so daß die Krönung der Kaiserin am 8. Märzin sehr gedrückter Stimmung erfolgte. Nur auf kurze Zeitwurde München den Feinden entrissen, und da auch Regens-burg von diesen besetzt war, sah Karl VII. sich gezwungen, inFrankfurt zu bleiben und dorthin auch die Reichsstände zu