Druckschrift 
1 (1850)
Entstehung
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30. Fernröhre von so einfacher Construction, wie sieoben beschrieben sind, würden sehr bedeutende Mängel ha-ben; denn was wir früher vom Brennpunkte gesagt haben,würde nur dann annährend wahr sein, wenn das Fernrohrbei einer sehr kleinen Objectivlinse eine bedeutende Brenn-weite hätte. Im entgegengesetzten Falle werden die Strah-len, welche auf die Ränder der Linse fallen, sich nicht indemjenigen Punkte bei ihrem Austritte aus der Objectivlinsevereinigen, in welchem die durch die Mitte der Linse durch-gehenden Strahlen zusammenfallen; dadurch würde das Bildeines Fixsterns nicht mehr ein scharf begrenzter Punkt, son-dern ein undeutlicher Fleck sein, und alle Bilder von ver-schiedenen Gegenständen, würden desto mehr verzerrt erschei-nen, je grösser das Objectiv wäre. Dieser Mangel derFernröhre heisst die sphärische Aberration, oder dieAbweichung wegen der Kugelgestall.

Bei den einfachen Fernröhren würde aber noch ein an-derer, weit grösseren Fehler stattfinden; denn die weissenLichtstrahlen würden, nach ihrer Brechung in der Objectiv-linse, sich in die sieben Farben des Regenbogens zerstreuen'und dadurch das Bild des Gegenstandes mit farbigem Lichteumringt und verwischt erscheinen. Dieser Mangel des Fern-rohrs heisst die chromatische Aberration. Euler war dererste, welcher die Möglichkeit wahrscheinlich machte, einFernrohr ohne solche Fehler zu construiren (im Jahre 1747)5zuerst jedoch construirte der englische Künstler Dollond umdas Jahr 1758 herum, wirklich ein solches, ziemlich fehler-freies Fernrohr. Dessenungeachtet hatten die Fernröhre nochimmer nicht die gewünschte Vollkommenheit; nur erst injüngster Zeit ist es dem unsterblichen Genie Frauenhofensgelungen so ausgezeichnete Fernröhre zu verfertigen, dasssie den heutigen Anforderungen der Astronomen in hohemGrade entsprechen.