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Festschrift zur fünfzigjährigen Gedenkfeier der am 28. Mai 1838 erfolgten Begründung des Realgymnasiums
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den Tag erledigt sei, gab Frische und Freudigkeit sür die körperlichenÜbnngen und machte das Turnen zu dem, was es unbeschadet andererZiele auch sein soll: zu einer angenehmen Erholung.

Wie so ganz anders gestaltete sich dem gegenüber das Klassen-turnen! Zur planmäßig festgesetzten Vor- oder Nachmittagsstundewurden die Turner in geordnetem Zuge möglichst leise aus dem Klassen-zimmer in die Halle geführt; dort waren sie von Anfang bis Schlußder Stunde der steten Beobachtung des Lehrers unterworfen, der jedeEigenmächtigkeit sofort merkte und rügte; die Frei- und Ordnungs-übungen mußten sie peinlich genau ausführen und im Gerätturnenfast nur solche Übungen machen, die mit Rücksicht auf die durchschnitt-liche Leistungsfähigkeit der Schüler ausgewählt waren; am Schlußder Stunde gingen sie in derselben Ordnung zur Klasse zurück undhatten darauf Latein oder Mathematik oder einen anderen Lehrgegen-stand. Das Turnen sei nicht mehr schön, so klagten wohl die munteren,unruhigen Bürschlein, denen diese strenge Ordnung, das ruhige Waltenund Wirken in der Turnstunde gar nicht behagte, und tüchtige Turneräußerten wohl ihr Bedauern darüber, daß man was Rechtes nichtmehr lerne. Hatten sie nicht hinsichtlich der Leistungen die Wahrheitgesprochen? Dem Anschein nach gewiß; denn halsbrecherische Kunst-stücke und zwecklos wagehalsige Übungen kamen nicht mehr vor; dieKünstler, welche in einseitiger, mit Vorliebe getriebener Ausbildungnur au einzelnen Geräten Hervorragendes leisteten, die Meister amReck, am Barren u. s. w. schwanden; dies war jedoch schon ein großerFortschritt. Aber die steifen, ungeschickten, die bequemen, jede An-strengung scheuenden Turner mußten jetzt gar fleißig mitüben; undnamentlich für sie, die im Massen- und Riegenturnen oft sich derPflicht, die einzelnen Übungen mitauszuführen, zu entziehen wußten,ward nun erst die Turnstunde von rechtem Vorteil; denn bei demsteten Mitüben wuchs auch Kraft und Gewandtheit, Blut und Selbst-verleugnung und damit kam allmählich auch Lust und Liebe zumTurnen. Doch auch die tüchtigeren Turner lernten mit der Zeiterkennen, daß es ein größerer Gewinn sei, einfachere Übungen mög-lichst gut auszuführen, als nur nach Erlernung neuer Schaustückezu trachten und daß eine gleichmäßige Ausbildung an allen vorhan-denen Geräten wertvoller sei als möglichst große Vollkommenheit imTurnen an einem einzelnen Gerät. Da nun auch in dem verändertenTurnbetrieb die Möglichkeit, durch gute Leistungen sich auszuzeichnen,