Druckschrift 
Festschrift zur fünfzigjährigen Gedenkfeier der am 28. Mai 1838 erfolgten Begründung des Realgymnasiums
Entstehung
Seite
163
Einzelbild herunterladen
 

163

mendigkeit dazu lag var in dem Umstände, daß die große Schüler-menge durch Masseuturnen auf die Dauer nicht mehr so erfolgreichunterrichtet werden konnte, als dies wünschenswert war. Es erfolgtedie Einführung des Klassenturnens und des Wiuterturuens, wozuzunächst die städtische Turnhalle, und von Ostern 1875 ab die neu-erbaute Turnhalle der Realschule benutzt wurde.

Aber ähnlich wie vor 30 Iahren gebrach es nun, nach Erledigungder Raumfrage an ausreichenden Lehrkräften. Der bisherige Turn-lehrer übernahm zwar eine verhältnismäßig große Zahl von Stundenund in dein Städtischen Turnlehrer wurde für die Oberklassen aufetliche Jahre eine Persönlichkeit gewonnen, die- obwohl nicht zumSchulmann vorgebildet und sonst in keiner Beziehung zur Anstaltstehend bei Erbauung der Halle und deren Ausstattung mit Ge-räten durch Angaben für die Bauleute und Handwerker der Schuleeinen wesentlichen Dienst erwiesen hatte und die den Ruf eines aus-gezeichneten Turners besaß. Dennoch wäre die Durchführung desKlassenturnens nicht möglich gewesen, wenn nicht mehrere jüngereLehrer der Anstalt, meist dem Neserve-Militärstand angehörig, trotzdes Mangels au sachkundiger turnerischer Vorbildung bereitwillig dieStunden in den Unterklassen übernommen hätten. Das KöniglicheProvinzial-Schulkollegium gab seine Einwilligung dazu mit dem Be-merken, daß bei Neubesetzung von Stellen solche Lehrer, welche auchdie Lehrbefähigung für Turnen besäßen, vorzugsweise zu wählen seien.Dasselbe regte auch der Dirigent der Königlichen Central-Turnanstalt,Professor Dr. Euler au, als er im Juli 1876 dem Turnen einzelnerKlassen der Realschule beiwohnte und über die Leistungen sich sehrbefriedigt aussprach. Als zu Ostern 1877 der Lehrer Erk ausschied,ward seine Stelle mit einem Turnlehrer besetzt. Die AbsichtOstendorfs, auch den Schulhof als Sommerturnplatz mit Geräten neuauszustatten, blieb, da der Tod ihn vorzeitig abberief, unausgeführt.

Der Segen des Klassenturneus konnte nicht gleich von vornhereinzur Geltung gelangen. Mit Wehmut gedachten die, Schüler jeuerschönen Stunden, da sie zu Hunderten lustig im Freien sich tummelnkonnten und die Vorturner bei Auswahl der Übungen wie auch inHandhabung der Zucht den Neigungen ihrer Mitschüler gern entgegen-kamen; schon der Umstand, daß die Turnstunde, die in der Abendzeit 68 Uhr lag, mit dein erhebenden Gefühl besucht werdenkonnte, daß das Tagewerk vollendet, die Schularbeit für den kommen-

11*