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Kirchner doch als klassischen Philologen und hielt es für seine eigentlicheAufgabe, das humanistische Gymnasium energisch und rasch ins Lebenzu rufen. Im Lebensalter stand er Böttcher um einige Jahre nach,war aber infolge einer sehr raschen Laufbahn (mit 24 Jahren I. Ober-lehrer, mit 32 Jahren Gymnasialdirektor) schon seit 3 Jahren als Gym-nasialdirektor thätig gewesen und konnte nun auf gründ seinerErfahrungen und Kenntnisse rascher mit der Organisation vorwärtsgehen. So wurde denn Ostern 1883 nicht bloß eine Sexta, sonderngleichzeitig auch eine Gymnasial-Untertertia eingerichtet und dadurches möglich gemacht, daß bereits in diesem Jahre (1888) die ganzegymnasiale Anstalt von der Oberprima bis herab zur Sexta fertigwurde. Wie sehr damit der oben erwähnten Abnahme des Schüler-besuches gesteuert wurde, ergiebt die ununterbrochene Zunahme derFrequenz; dieselbe betrug nämlich ohne Vorschulen 1. April 1882:304 Schüler und stieg in 3 Jahren unter Kirchner auf 429 undseitdem unter Matthias (Sommer 1887) auf 458 Schüler.
Damit dürfte die Zweckmäßigkeit der Umgestaltung und die glück-liche Art der Ausführung hinreichend erwiesen sein. Das Weitereüber die Geschichte des humanistischen Gymnasiums an unserer Schickegehört nicht hierhin. Zu erwähnen ist aber, daß sich auch die alteAnstalt demselben noch insofern näherte, als sie nicht bloß (2. Mai 1882)den Namen Realgymnasium erhielt, sondern auch in Prima eineweitere Verstärkung des lateinischen Unterrichtes (5 Stunden statt 4)erfuhr. Überhaupt dürfte es seit Kirchners Eintritt entschieden sein,daß der Schwerpunkt der Anstalt nach dem Gymnasium hin verrücktworden, und daß der Name Realgymnasium mit Gymnasialklassenrichtiger jetzt umgekehrt gefaßt würde.
In die kurze Zeit der Leitung Kirchners fällt die Einwirkungjener Bestrebungen, welche der „Überbürdung" durch Turnmärscheu. dgl. ein Gegengewicht geben wollten. Bekanntlich ist es eine alteKlage, daß die Schüler höherer Anstalten durch die Schule zu stark inAnspruch genommen und dadurch in ihrer körperlichen und geistigenEntwicklung geschädigt würden. In einer Verfügung darüber vom14. Oktober 1875 bezieht sich der Minister auf verschiedene früheredarauf bezügliche Verfügungen, namentlich auch auf die vom Jahre 1837.In Düsseldorf hatte man auf diesen wichtigen Punkt seitens derRealschule schon längst und um so mehr geachtet, als Ostendorfpersönlich sich für die Agitation interessierte und u. a. als Kor-