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die Ostendorfsche Richtung, die namentlich in Gera und Braunschweig1873 und 1874 von sich reden machte, .gründlicher umgestalten wollteund weniger durch die Zahl ihrer Anhänger als durch die Bedeutungund Beredsamkeit ihrer Führer sich Geltung verschaffte (Kreissig,Krumme zc,). Auch in Düsseldorf selbst folgte man auf die Dauerseinen Ratschlägen nicht mehr so bereitwillig. Man fand, daß dieselbenzu weit gingen, bestehende Verhältnisse zu wenig berücksichtigten undselbst nicht immer folgerichtig wären. Und wie hätte man auchanders urteilen können, wenn er z, B. überzeugend und eingehendnachwies, daß aus den Michaelis-Cöten Gymnasialklassen werdenmüßten, weil thatsächlich das Bedürfnis für ein städtisches Gymnasiumda sei; die allgemeine Strömung ginge nach einem solchen; die Aus-führung sei bei den vorhandenen Lehrkräften einfach und die Kostenmäßig, und wenn er dann am Schlüsse dieser langen Denkschrifterklärt, daß er die Vorschläge mache, aber weit davon entferntsei, zu glauben, daß dieselben an sich Zweckmäßiges ent-hielten?
Konnte ein solcher, halb zurückgezogener Vorschlag an sich schonnicht zur Befolgung ermutigen, so kamen jetzt noch die wirtschaftlichbedenklichen Zustände in der Stadt hinzu. Die Geschäftskrisis, die inganz Deutschland auf deu Milliardensegen folgte, bekam in Düsseldorfeinen besonders ernsten Charakter durch den Zusammenbruch der Gewerbe-bauk. Hunderte von Familien waren kredit- und damit erwerbslosgeworden, während in solcher Zeit oft für ganz wenig Schüler an derRealschule fakultative Stunden für Italienisch, Spanisch, Griechisch,Lateinisch, Rechnen w. eingerichtet wurden, Daß ein solcher Unterrichtgeboten werden konnte, war für die Anstalt und ihre Patrone ehrenvoll,und die Resultate sind gewiß des Versuches wert gewesen; aber kostspieligwaren sie auch, uud die finanziellen Schwierigkeiten der Stadt und ihrerEinwohnerschaft erinnerten täglich an diese Seite. So mußte mau dennjedenfalls alle neuen Umgestaltungen vertagen und nüchtern wieder rechnen.Das Mißbehagen über diesen Verlauf mochte Ostendorf um so mehr nieder-drücken, als seine Krankheit (Blasenleiden) trotz verschiedener Kuren inKarlsbad und Wildungen Herbst 1877 einen ernsteren Charakter annahm.Und doch wußte er auch diese Prüfung als Mann zu ertragen. Unver-geßlich wird es dem Verfasser, der Ostendorf auf der Reise zurOperation nach Halle zufällig begleitete, immerdar bleiben, mit welcherSeelenruhe derselbe diesem ernsten Schritt entgegenging. Nicht Ein