Druckschrift 
Festschrift zur fünfzigjährigen Gedenkfeier der am 28. Mai 1838 erfolgten Begründung des Realgymnasiums
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

54

hatten. So hatte er aus einer dreiklassigen Stadtschule eine weitüber das Vaterland hinaus geschätzte Realschule I, O. schaffenkönnen und ein Lehrerkolleg herangezogen, das in edlenr Wetteifersich zu überbieten suchte. Nuter den Schülern herrschte ein frischer,gesunder, auch in allen Leibesübungen sich gern versuchender Mut,dazu ein Lerneifer, der mit Notwendigkeit tüchtige Männer entstehen ließ.Dankbaren Ausdruck haben diese Erfolge später in der schönen Feier vom8. Juni 1878 gefunden (Enthüllung seines Denkmals vor der Realschule).

Einem solchen Manne durste der Vertreter des Schulkollegs unbe-denklich eine „möglichst freie Bewegung" gestatten, zumal nach einemKriege, in dem deutsche Art den Sieg davongetragen über den „nivel-lierenden Nomanismus, wo alles eigentümliche Leben aufgehe in deinStrudel einer nur einen einzigen Ton angebenden Hauptstadt", „Unserneues Reich", so schloß Landsermann seine Einführungsrede, „sollund wird sich bewahren sein Dresden, sein München und sein Weimar,sein Danzig und sein Nürnberg, sein Hamburg und so viele andereLebensherde, Einer dieser eigentümliche!: Herde ist auch diese StadtDüsseldorf geworden und wird sich als solcher behaupten, Und daßes sich so behaupte, dazu hat die Stadt in dieser Schule eine Stättedeutscher Jugendbildung geschaffen und Sie, Herr Direktor Ostendorf,an Stelle Heinens hierhin berufen."

Die bedeutende Rede, mit der Ostendorf diese schönen Worte,die ihn: einen so weiten Spielraun: gewährten, sofort beantwortete,und die begeisterten, geradezu poetischen Gedanken, mit denen er dein:Festmahl seine Hoffnungen ausführte, ließen allgemein erkennen, daßman einen geradezu hervorragenden Mann zum Direktor bekommenhabe, bald aber gewann man auch den Eindruck, daß nunmehr auchfür das ganze städtische Schulleben eine Zeit frischen Schaffens undvielseitigen Gestaltens ihren Anfang nehme.

Die ersten Bundesgenossen hatte Ostendorf in seinem Lehrer-kolleg gesucht und dabei es ausgesprochen, daß er in ihnen lebendigeKräfte sehe, die er in ihrer Eigenart achte, da sie nur dann an:vollkommensten sich entfalteten, wenn man ihre Individualität nichtzerstöre oder einschränke durch mißtrauische Überwachung von oben.Gleichzeitig hatte er auch die materielle Stellung der Lehrer so gehoben,daß jeder sich wenigstens um 200 Thaler verbesserte, um annähernddieselben auf die Höhe zu bringen, die sie in den umliegenden Städtenlängst erreicht hatten und nach den: Normaletat auch erreicht haben