Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
Entstehung
Seite
369
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Don Juan Aufführung. 36h

Aerger bekommen hat. Da Du, liebe Mutter, Zeitungen lesenmagst, so sollst Du im nächsten Briefe alle gedruckten Aktenüber diese Geschichte, die die ganze Stadt drei Tage langbeschäftigt hat, erhalten. Nachdem der grand scandale an-gefangen hatte, der Vorhang dreimal gefallen und wieder auf-gezogen worden war, nachdem sie das erste Duett des zweitenAktes durchgesungen hatten, ohne vor Pfeifen, Trommeln undBrüllen gehört worden zu sein, nachdem sie dem Regisseur(Immermann) die Zeitung auf's Theater geworfen hatten, da-mit er sie vorlesen solle, und der darauf sehr piquirt wegge-gangen war, und der Vorhang zum vierten Mal fiel, wollteich meinen Stock hinlegen, oder ihn wahrhaftig lieber denKerls an den Kopf werfen, als es wieder ruhig wurde dieSchreier waren heiser geworden, die ordentlichen Leute leb-hafter, kurz, wir spielten den zweiten Akt unter tiefer Stilleund vielem Applaus weiter und durch. Nachher wurden Alleherausgerufen Keiner kam, und Immermann und ich kon-ferirten im Pulverdampf des Feuerregens zwischen den schwarzenTeufeln, was zu thun sei. Ich erklärte, bis das Personal undich keine Satisfaction hätten, dirigirte ich die Oper nicht wie-der, zugleich kam eine Deputation von Mehreren aus demOrchester, die wieder erklärten, wenn ich die Oper nicht diri-girte, würden sie nicht spielen, nun jammerte der Schau-spieldirektor, der zur nächsten Vorstellung schon alle Billetsverkauft hatte. Immermann fuhr alle um sich her an, mitsolcher Grazie verliessen wir Beide das Schlachtfeld. Den fol-genden Tag stand an den Eckenwegen eingetretener Hin-dernisse" u. s. w. und wo man auf der Strasse ging, war vonnichts die Rede als vom Skandal. Die halbe Zeitung voll An-zeigen darüber; der Urheber verantwortete sich behauptete,er ludie trotz Alles dessen einen grossen Genuss gehabt, fürden er mir und dem Personal dankbar sei, nannte sich, undda er Regierungssekretär ist, so liess ihn der Präsident kommen,rüffelte ihn schrecklich, schickte ihn dann zum Direktor, derihn wieder schrecklich rüffelte den Soldaten, die Theil ge-nommen hatten, ging's von ihren Chefs ebenso, der ganze Ver-ein zur Beförderung der Tonkunst erliess ein Manifest,' worin

Die Familie Mendelssohn. I. 24