Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
Entstehung
Seite
322
Einzelbild herunterladen
 

322

18301834.

liörer gegenwärtig; die Decker aber sang eine tüchtige Bravour-Arie so ausserordentlich schön, dass Zuhörer und Orchester inlebhaftes Applaudissement ausbrachen. Gestern Abend warGeneralprobe von Felix' Ouvertüre und Israel. Der Saal wargepfropft voll. Die Ouvertüre gefiel sehr; aber der letzteChor des ersten TheilsEr gebeut der Meeresfluth und sietrocknete aus" und dann der erste des zweiten Theils mitseinem furchtbaren Schluss:Ross und Reiter hat er in dasMeer gestürzt", erregten unter den Hörern und Ausführerneinen so Ungeheuern Jubel, eine Aufregung, wie sie mir seltenvorgekommen, es dauerte eine Viertelstunde, ehe Alles wiederin's Geleis kam. Und dies in einer bezahlten Generalprobe!Uebrigens gehen die Chöre ganz vortrefflich, doch scheinen mirdie Männerstimmen zu überwiegend, die Maler singen alle mitund schreien nicht schlecht.

Sie glauben hier, Felix habe die Ouvertüre für das Festgeschrieben und finden sie ausserordentlich charakteristisch demOratorium angepasst; merkwürdig genug ist, dass der Zufalles so fügt, dass ich mir wirklich keine bessere Ouvertüre zuIsrael wünsche."

Düsseldorf, den 28. Mai.

Gestern Abend war es schön: die Symphonie pa-storale gmg ganz vortrefflich, darauf eine Cantate von Woliftödtlich langweilig, dann Leonore allgemein hinreissend undeinschlagend. Darauf Pause von dreiviertel Stunden, der ganzeGarten kribbelnd und wibbelnd voll; meine Hausleute begeg-neten mir, und der alte Präsident, eine Flasche Maitrank inder Tasche und ein Glas in der Hand, schenkte mir ein undlabte mich. Tusch im Saal. Der Strom wälzt sich zurück.Für den Augenblick, da Felix vor sein Pult trat, hatte dasOrchester, selbst erstaunt und erfreut über seine eigenen Lei-stungen, einen neuen Tusch verabredet, in welchen diesmal derganze Saal laut und lang mit einstimmte. Winter's Macht derTöne! Eine der beiden Woringen, ein ganz charmantes" Mäd-chen, hat in zwei Worten über Wolifs Cantate und Winter's