292
1830-1834.
ist ganz neu. Ihr erinnert Euch alle noch, wie uns bei derSonntag und Paganini die Gelassenheit, die Ruhe, die Sicher-heit oft und am meisten entzückte. Das ist die Taglioni; sietanzt nie geschwind, wenigstens nie heftig. Mit vollkommenerRuhe, ohne Rücksicht auf das Publikum folgt sie den Ein-gebungen ihrer Grazie und Laune, sucht nie etwas und findetalles, strengt sich me an und thut Unglaubliches.
Aber Wilhelm Teil!!! Ich reisse noch heut Leo den Kopfab wegen seines Urtlieils. Atroce! und leer. Ich bringe denText mit, der allein eine Merkwürdigkeit ist. In einem zärt-lichen passionirten Duett fragt Melchthal seine Geliebte Ma-thilde (eine österreichische Prinzessin! welche mit ihm glück-liche Tage verleben will) vous reverrai-je? Oui demain, ist dieAntwort, ich habe es sogleich in out gäteaux übertragen; die-selbe Mathilde sagt: les royons de l'astre de la nuit sont discretsoomme mon Arnold. Wie der Mann, der den Barbier undOthello geschrieben, solch eine Musik hat machen können,bleibt mir unbegreiflich und eine solche Dissonanz nur in derMusik möglich.
Die innere Ruhe ist vollkommen wieder hergestellt undmorgen wird Revue über 50,000 Mann Nationalgarden gehal-ten. Jetzt ist man aber wegen der belgischen Unruhen un-ruhig, und ich fürchte eine stürmische Zeit, da sich eine neuegebären zu wollen scheint. Die jungen Leute wollen heran,das gefällt den Alten nicht. — —"
Paris, 30. August 1830.
„Gestern (Sonntag) vor 5. Wochen war ich in Montmorency;es war gerade die Fete du village, 5—6000 Menschen warendort zusammengekommen, tanzend, singend, fröhlich und guterDinge, einige Gensd'armes waren müssige Zuschauer. Wie ichgegen 11 Uhr nach Paris zurückkam, war eben die Fete inTivoli aus, und Tausende strömten in friedlichster Ordnung dieStrassen entlang. Drei Tage darauf war Paris in Feuer undFlammen, und wohl an 10,000 Menschen verloren Leben undGesundheit; alle Ordnung war aufgelöst, es hing an einem