290 1830—1834.
wie das Pariser sicli gezeigt liat, ist entweder im Gefühl eige-ner Stärke und Mündigkeit allen Einflüssen und Einwirkungenindividueller Ueberlegenheit entwachsen, und dann steht esschlimm um das Bestehende, oder aber es wird eine furchtbare,unwiderstehliche Waffe in den Bänden derer, die es zu ge-brauchen wissen, und dann steht es wieder schlimm um dasBestehende. Mir scheinen die drei Tage ein ungeheures, geheim-nissvolles Wort ausgesprochen zu haben, dessen Deutung jetztzu erratlien ist. Eins ist klar; mit Charles X. ist nur derallerkleinste Theil der Verderbniss, der Niederträchtigkeit, derHabsucht und Intriguen der höheren Stände vertrieben. Dierechte Grundsuppe ist geblieben, sie lastet wie eine undurch-dringliche Atmosphäre auf Prankreich, sie ist ein feindseligesElement, schwerer und nothwendiger zu bekämpfen als die•garde royale. Mir scheint qn'il n'y a rien de change en France,quoiqiCil y ait heureusement un Franqais de moins.
Gefalle ich Euch nicht, so bedenkt, dass ich drei Wochenlang krank war. Gott gebe, dass ich mich irren möge, dassich nicht in meiner Einsamkeit und gerade, weil ich darin war,richtiger sehe, als die im Treiben waren und sind. Gewissist, was geschehen war nothwendig, unumgänglich; wird, wasdarauf und daraus folgt, gut und recht sein? Ich kann'skaum hoffen, aber Gott geb's, sagt Jacobi. 0! ich werde alt! —"
Paris, 25. August 1830.„Tausend Dank für Deinen liebenswürdigen Brief vom Ilten.Gott erhalte Dir Deinen Enthusiasmus und Deine Lebendigkeit.Du irrst aber sehr, wenn Du glaubst, die Aerzte hätten mirverboten, Journale zu lesen; das verbotsicli von selbst. Wennich einen Brief von Dir 24 Stunden uneröffnet lassen muss, sokann ich gewiss in 8 Tagen keine Zeitung lesen; ich war,bevor das Fieber kam, in einem vollkommenen Marasmus, einerwahren Nichtigkeit, aus welcher mich nur Unwohlsein undLeiden mancher Art weckten; es war nicht schön. — —
In Auxerre war ein Auflauf; das Volk riss die Barrierenein, um keine Abgaben mehr zu zahlen, und erklärte, sich an