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Leipziger Strasse Nr. 3
Viertelstunde voll. Ich sass an der Ecke, dass ich Felix genausehen konnte und hatte die stärksten Altstimmen neben michgenommen. Die Chöre waren von einem Feuer, einer schla-genden Kraft und wiederum von einer rührenden Zartheit, wieich sie nie gehört, ausser bei der zweiten Aufführung, wo siesich selbst übertrafen. In der Voraussetzung, dass Ihnen diedramatische Form noch erinnerlich ist, schicke ich Ihnen einTextbuch mit, wobei ich bemerke, dass Stümer die Erzählungdes Evangelisten, Devrient die Worte Jesu, Bader den Petrus,Busolt den Hohenpriester und Pilatus, und Weppler den Judassang. Die Schä'tzel, Milder und Türrscliniiedt sangen die Sopran-und Altsolos vortrefflich. — Der überfüllte Saal gab einen Anblickwie eine Kirche, die tiefste Stille, die feierlichste Andacht herrschtein der Versammlung, man hörte nur einzelne unwillkürlicheAeusserungen des tieferregten Gefühls; was man so oft mit Unrechtvon Unternehmungen dieser Art sagt, kann man hier mit wahremRecht behaupten, dass ein besonderer Geist, ein allgemeines,höheres Interesse diese Aufführung geleitet habe und dass einJeder nach Kräften seine Schuldigkeit, manche aber mehr tlia-ten. So Rietz, der das Ausschreiben aller Instrumentalstimmenmit Hülfe seines Bruders und Schwagers übernommen und denenDreien man nach beendeter Arbeit kein Honorar aufzudringenvermochte; die meisten Sänger wiesen die ihnen zugedachtenFreibillets zurück oder bezahlten sie, sodass im ersten Concertnur sechs Freibillets waren (wovon Spontini zwei hatte), imzweiten gar keins. Noch vor der Aufführung war durch dieVielen, die unberücksichtigt bleiben mussten, das laute Geschreium eine Wiederholung ertönt und die Erwerbschulen hattensich als Supplikanten gemeldet, allein diesmal war Spontinierwacht nnd bemühte sich mit der grössten Freundlichkeit, diezweite Aufführung zu hintertreiben, Felix und Devrient schlu-gen dagegen den gradesteil Weg ein und verschafften sich Be-fehle vom Kronprinzen, der sich von Anfang an sehr für dasWerk interessirt hatte und so ward es Sonnabend, den ein undzwanzigsten März, an Baclx's Geburtstag wiederholt: dasselbeGedränge, noch grössere Fülle, denn der Vorsaal sogar wareingerichtet und alle Plätze verkauft, ebenso der kleine Probe-