Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
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Wilhelm Heiisel.

wollten ihr Kind vor möglichen Enttäuschungen bewahren;man kann es ihnen nicht verdenken, wenn sie nach kurzerBekanntschaft Hensel's Charakterstärke und die Tiefe seinerLiehe nicht ganz erkannten. Namentlich fürchteten sie einenUebertritt zum Katholizismus, und die Besorgniss war beiseiner poetischen Natur, dem Vorgang semer Schwester Luiseund dem Kreise semer oben erwähnten nächsten Freunde, dieallesammt katholisch waren oder mit dem Katholizismus be-denklich liebäugelten, nicht so ganz ungerechtfertigt. NurFanny hatte hierin, wie in allem Andern festes Vertrauenauf ihn.

So musste er denn, ohne bestimmte Zusage, auf langeJahre wegziehn; aher grade diese Unbestimmtheit, dies Unab-geschlossene gab dem Verhältniss eine grosse Frische undeinen Keiz mehr. Vor der Keise zeichnete er noch die ganzeFamilie und den Kreis der Nächststehenden und nahm mitdiesen Zeichnungen gleichsam geistig seinen Platz in demKreise ein, dem er ganz anzugehören wünschte. Diese Bilderund die Briefe von Lea waren in der ganzen Zeit seine einzigeVerbindung mit der Familie, denn auch einen Briefwechsel mitFanny hatte die gestrenge Mutter gänzlich untersagt. Ueberdie Gründe dieses Verbots spricht sie sich in einem Brieffolgendermassen aus:

Im Ernst, lieber Herr Hensel, können Sie mirwirklich nicht böse sein, weil ich keinen Briefwechsel zwischenIhnen und Fanny gestatten will. Haben Sie nur die Billigkeit,sich einen Moment an die Stelle einer Mutter zu setzen undIhr Interesse gegen das meine zu tauschen, dann wird Ihnenmeine Weigerung natürlich, billig und vernünftig erscheinen,statt dass Sie sie in Ihrer Heftigkeit mit den allerbarbarischstenNamen belegen. Aus demselben Grunde, der kein Versprechenzuliess, erkläre ich mich fest und bestimmt gegen jedeKorrespondenz. Dass ich Sie wahrhaft schätze, Ihnen sogarherzlich gut bin, wissen Sie; ebenso dass ich gegen IhrePerson nichts einwende: meine Gründe, mich bis jetzt nichtfür Sie bestimmen zu können, smd: die Ungleichheit des Altersund das Ungewisse Ihrer Lage. Ein Mann darf nicht daran