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112 Wilhelm Hensel,
kennen, die mit ihren Eltern sich eingefunden hatte, die schönenZeichnungen zu bewundern.
Wenn wir der Vorgeschichte dieses Künstlers nachspüren,so ist es eine ganz andere Atmosphäre, die uns uniweht, fast eineandere Welt als die bisher geschilderte. Alle Anschauungen, Be-griffe, Bildungsbedingungen sind andere, ja die Mensehenrace isteine wesentlich verschiedene. Hatten wir es bis jetzt mit einerFamilie rein jüdischen Stammes zu thun, mussten wir nachPalästina zurückblicken, um die Wurzeln des Geschlechts zulinden, zeigte sich der kosmopolitische Charakter des Juden-thums in den Wanderungen durch mancherlei Städte und Länder,in denen wir die Vorfahren antrafen, in Dessau, Berlin, Paris,Hamburg, war die Gesinnung zwar ein echt deutsche, die Bil-dung aber vielfach auf französischem Boden wurzelnd, so führendie Ursprünge der Hensel'schen Familie auf die Ureinwohnerder norddeutschen Tiefebene zurück, der Typus ist entschieden„christlich germanisch". — So waren die Existenzbedingungendurchaus andere und Wilhelm Hensel und Fanny M. B.,beide recht ausgeprägte Repräsentanten ihrer Racen, waren alssolche so verschieden wie möglich; und doch zeigte es sich, dassihre Naturen! sich sehr harmonisch in einander fügten und er-gänzten und in dieser Ergänzung, zu der jeder Theil so Ur-eigenes brachte, sicli ausserordentlich glücklich fühlten.
Wilhelm Hensel's Vater war ein armer Landprediger, zu-erst in Trebbin, wo Wilhelm am 6. Juli 1794 geboren wurde,dann in Linum, beides kleine dürftige Orte in der Nähe Berlins,in den öden, traurigen Sandsteppen der Mark gelegen, letzteresvon endlosen Torfmooren umgeben.
Bei einem spärlichen Einkommen, unter den Drangsalender napoleonischen Bedrückungszeit, verstand er es, seine zahl-reiche Familie ehrenvoll in der Welt zu erhalten. Er starbfrüh, seine Frau aber lebte noch bis zum Herbst 1835 undhatte das Glück, nach langen Jahren der Sorge und Entbeh-rung, die sie während und nach dem Kriege in ihrem langenAVittwenstande durchlebt, die beginnenden Erfolge und dieVerheirathung ihres Sohnes zu sehen.
Dieser zeigte von früh an grossen Hang zur Malerei. Alle