Briefe an seine Kinder.
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unvollkommen vorgespielt, er findet sie sehr gut und in achtemStyl, aber schwer. Mir hat sie wohl gefallen; es ist viel undich hätte Ihm kaum zugetraut, dass er sich sobald darin findenwürde, ernsthaft zu arbeiten, denn zu einer solchen Fuge ge-hört denn doch gewiss Ueberlegung und Beharrlichkeit. WasDu mir über Dein musikalisches Treiben im Verhältniss zuFelix in einem Deiner früheren Briefe geschrieben, war ebenso wohl gedacht als ausgedrückt. Die Musik wird für ihnvielleicht Beruf, während sie für Dich stets nur Zierde, niemalsGrundbass Deines Seins und Thuns werden kann und soll; ihmist daher Ehrgeiz, Begierde, sich geltend zu machen in einerAngelegenheit, die ihm sehr wichtig vorkommt, weil er sichdazu berufen fühlt, eher nachzusehn, während es Dich nichtweniger ehrt, dass Du von jeher Dich in diesen Fällen gut-mütliig und vernünftig bezeugt und durch Deine Freude andem Beifall, den er sich erworben, bewiesen hast, dass Du ihnDir an seiner Stelle auch würdest verdienen können. Beharrein dieser Gesinnung und diesem Betragen, sie sind weiblich,und nur das Weibliche ziert die Frauen.
Ich danke Beckchen für ihren Brief und „Faul" für seineNachschrift, die leidlich geschrieben ist, jedoch gerathen h undk immer noch sehr schlecht, letztere besonders haben einenBauch, der mich über meinen tröstet.
Dienstag. Sie haben gestern in Viry Derne Romanzendurchgenommen, es wird Dich freuen, zu wissen, dass FannySebastiani mir die „Les soins de mon troupeau" recht niedlichund rein vorgesungen hat und vielen Geschmack daran findet.Ich gestehe Dir, dass dieses Lied mir das liebste ist, soweitich nämlich die anderen, die sehr unvollkommen vorgetragenwurden, beurtheilen kann. Es ist heiter, fliessend, natürlich,Eigenschaften, die den meisten andern abgelm, die zum Theilzu weit sind für die Worte. Jenes Lied gefällt mir so wohl,dass ich mir es seit gestern sehr oft vorgesungen, währendich von den andern nichts behalten habe, und Fasslichkeitlscheint mir eines der wichtigsten Erfordernisse eines Liedes;'dabei ist es nichts weniger als trivial, und die Wendung „sij'ai trouve pour eux une fontaine claire" sehr glücklich sogar,
Die Familie Mendelssohn. I. 7