Ursprung des Namens Mendelssohn Bartholdy. 89
tlium aufzwingen — solange man sie für die Alleinseligmachendehält. Aber sowie man dies nicht mehr glaubt, ist es eine Barbarei.— Ich würde rathen, dass Du den Namen Mendelssohn Bartholldyzur Unterscheidung von den übrigen Mendelssohn's annimmst, wel-ches mir um so angenehmer sein wird, da es die Art ist, auchmein Andenken hei ihnen zu erhalten und worüber ich michherzlich freue. So erreichst Du Deinen Zweck, ohne etwasUngewöhnliches zu thun — denn in Frankreich und überallist's Brauch, den Namen der Verwandten der Frau dem seini-gen als Unterscheidung beizufügen." Abraham folgte diesemEatli in allen Stücken.
So wurden denn die Kinder im Christenthum erzogen,allerdings heimlich, um die Gefühle ihrer streng jüdischenGrosseltern, namentlich der alten Salomon zu schonen. Diesewar sehr orthodox, und als ihr Solm, eben jener BartholdyChrist geworden war, hatte sie ihm geflucht und ihn Verstössen.Fanny war ein grosser Liebling dieser Grossmutter, sie mussteoft zu ihr gehen und ihr vorspielen. Einmal, als sie ganz be-sonders schön gespielt hatte, sagte ihr die alte Frau, sie könnesich zur Belohnung ausbitten, was sie wolle. Da sagte Fanny:„So vergieb dem Onkel Bartholdy" ■— und die Grossmutter,gerührt über diese unerwartete Bitte des halben Kindes, von demsie vielleicht den Wunsch eines Hutes oder Putzgegenstandeserwartet hatte, versöhnte sich wirklich mit dem Sohn „um Fanny'swillen", wie sie ihm schrieb. Daher entspann sich eine grosseLiebe zwischen Onkel und Nichte und ein langer Briefwechsel.
Er war ein merkwürdiger Mann, ein feiner Kunstkenner,vielseitig gebildet. Er führte in seiner Jugend ein bewegtesLeben; wir haben aus dem Jugendbriefe seiner Schwester ge-sehen, dass er Ende des vorigen Jahrhunderts in Mainz lebte;später scliloss er sich an Hardenberg an. Varnliagen begegneteihm öfter in Wien, in Paris; schliesslich lebte er als preussischerGeneralkonsul in Rom, und legte, in einer Zeit, wo die wenigstenMenschen für derartige Dinge Sinn hatten, mit Aufwand allerseiner nicht sehr bedeutenden Mittel schöne Kunstsammlungenan. Wir werden ihm noch öfter begegnen.
Es mögen hier einige Briefe Abraham Mendelssohn's aus