Druckschrift 
1 (1880) 1729 - 1835
Entstehung
Seite
57
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Besuch ihres Bruders Abraham. 57

als etwa 4 lieues von Paris mich entfernt, als das grössteUnternehmen vorkommt, das seit Columbus selig gemachtworden ist! Wir sind nun wirklich in Ha vre, haben das Heer,und Ebb' und Fluth, und grosse und kleine Schiffe von Innenund Aussen gesehen, und bewundert, und wo uns nur irgendetwas gefiel oder in Erstaunen setzte, war es Abrahams undmein stiller Wunsch, es Ihnen und den Kindern zeigen zukönnen. Aber seien Sie ruhig, liebste Lea, mir ist dieser Wunschnicht über die Lippen, wenn auch oft in die Seele gekommen, ichbegreife Ihre Liebe zur ungestörten Ruhe, und kann es nur be-dauern, dass Ihnen darüber so mancher Genuss entgeht, und be-sonders, dass Sie Abrahams Reise-Liebenswürdigkeit so brachliegen lassen, es ist nicht möglich, artiger, gütiger, geduldiger,und gleicherer Laune zu sein, ich setze nämlich voraus, dass erIhre Briefe pünktlich erhält, denn entfernt von Ihnen scheintes, dass ihm diese Briefe ein Lebens- und Liebesbedürfnisssind. Bei unserer Ankunft gestern hat er einen vorgefunden,und nun bleibt er nur deshalb noch den morgenden Tag liier,um sicher zu sein, Ihren nächsten Brief nicht zu verfehlen,denn es geht übermorgen zurück nach Paris, wo ich denn inViry an Allem was ich jetzt sehe, mich noch lange erfreuenwill. Haben Sie schon ein grosses Schiff gesehen? Ja, icherinnere mich, dass Sie in Hamburg waren, also können Siemich verstehn, im Fall Sie auch nicht meiner Meinung sind,wenn ich Ihnen sage, dass ich bei aller Bewunderung, die ichdem menschlichen Geist nicht versagen kann, wenn ich sehewie er dieses furchtbare Element betrügt, bekämpft und re-giert, doch eigentlich wenig dabei fühle; das kleinste Gedichtvon Göthe rührt mich mehr, und macht mich stolzer auf dieMenschheit. Das wirklich Erhabene ist das Meer und seineWogen,-dieser Ernst und diese Kraft, wenn die Wellen sicham Ufer mit Getöse brechen, sind erschütternd, und ziehenmich mehr an, als das schmutzige und störende Gewimmel undGetümmel auf den Schiffen. Es neigt sich mein Gemüth immermehr und mehr zur Stille, es will Abend werden."

Vom Jahr 1820 ab war es nicht mehr so einsam imHaus, aber leider verlor Henriette eher bei der Veränderung,